Pflanzenschutz

Leimring am Obstbaum: wann anbringen? Ende September, und der Stützpfahl bekommt auch einen

Der Leimring gehört Ende September an den Obstbaum und bleibt bis Ende Februar. Hier steht, warum der Termin so früh liegt, wo der Ring sitzen muss und weshalb viele Ringe trotzdem nichts fangen.

Von Redaktion Gartenkunde · Veröffentlicht am 15. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

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Leimring am Obstbaum: wann anbringen? Ende September, und der Stützpfahl bekommt auch einen
Ein Leimring am Stamm eines Obstbaums hält im Herbst die flugunfähigen Frostspanner-Weibchen auf dem Weg in die Krone auf.Bild: Sergej ***** – Unsplash (Quelle)

Den Leimring am Obstbaum bringen Sie Ende September an, spätestens in der ersten Oktoberhälfte, und nehmen ihn Ende Februar wieder ab. Dann sitzt er, bevor die flugunfähigen Weibchen des Frostspanners nach den ersten kalten Nächten den Stamm hinaufkriechen, um ihre Eier in der Krone abzulegen.

Der Termin allein entscheidet allerdings selten über Erfolg oder Misserfolg. Die meisten Ringe versagen an einer Stelle, an die kaum jemand denkt: am Stützpfahl. Wer nur den Stamm beklebt, schickt die Weibchen über den Pfahl und den Baumanbinder direkt in die Krone.

Ein Satz zur Rechtslage vorweg: Für einen Leimring brauchen Sie keine Genehmigung, er ist eine mechanische Barriere und kein Pflanzenschutzmittel. Wildvögel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz aber besonders geschützt. Bleibt ein Vogel am Ring kleben, ist das kein bloßes Pech. Weiter unten steht, wie Sie das Risiko klein halten.

Frostspanner-Fraß im Frühjahr sicher erkennen

Den Grund für den Leimring sehen Sie erst im April. Kleine grüne Raupen sitzen in den aufbrechenden Knospen und fressen sie von innen aus. Später spinnen sie junge Blätter locker zusammen und fressen darin Löcher. Bei starkem Befall bleiben von Blüten nur Stiele übrig, und an jungen Früchten entstehen Fraßstellen, die später verkorken oder zum Abfall der Frucht führen.

Die Raupen des Kleinen Frostspanners werden bis etwa 2,5 Zentimeter lang. Sie sind hellgrün mit feinen hellen Längslinien. Typisch ist die Fortbewegung: Spannerraupen haben Bauchfüße nur am hinteren Körperende und ziehen sich deshalb mit einem Katzenbuckel vorwärts. Wer einen Zweig antippt, sieht oft, wie sich eine Raupe an einem Spinnfaden abseilt.

Verwechslung mit anderen Schäden

  • Apfelwickler: Die Larve sitzt in der Frucht, außen zeigt ein Bohrloch mit krümeligem Kot den Befall. Der Schaden fällt im Sommer auf, Blätter bleiben unversehrt.
  • Gespinstmotten: Dichte, weiße Gespinste überziehen ganze Zweige wie Schleier. Die Raupen sind gelblich mit schwarzen Punkten und leben in Gruppen.
  • Blattläuse: Blätter rollen sich ein und kräuseln, es fehlen aber Fraßlöcher. Oft laufen Ameisen am Stamm auf und ab.
  • Apfelblütenstecher: Einzelne Blütenknospen öffnen sich nicht und werden braun wie kleine Kapuzen. Darin steckt eine Käferlarve, keine Raupe.

Nur beim Frostspanner hilft der Herbst-Leimring. Gegen die anderen drei Schädlinge richtet er nichts aus.

Warum das Weibchen zu Fuß in die Krone muss

Die Falter des Kleinen Frostspanners schlüpfen im Herbst aus Puppen im Boden. Die Männchen fliegen und sammeln sich an milden Abenden gern an beleuchteten Hauswänden. Die Weibchen haben nur Stummelflügel und können nicht fliegen. Sie laufen in der Dämmerung den Stamm hinauf, paaren sich dort und legen ihre Eier einzeln an Knospen und in Rindenritzen der Krone.

Der Flug beginnt meist im Oktober, oft ausgelöst durch die ersten frostigen Nächte, und reicht bis in den Dezember. In milden Lagen sind noch im Januar Weibchen unterwegs. Beim Großen Frostspanner, der seltener im Garten auffällt, sind die Weibchen sogar ganz flügellos. Für Sie heißt das: Der Leimring muss sitzen, bevor der erste Frost kommt, und bis zum Ende der Flugzeit fangfähig bleiben.

Die Eier überwintern. Zum Austrieb schlüpfen die Raupen und fressen bis etwa Juni. Dann lassen sie sich zu Boden fallen und verpuppen sich im Erdreich unter dem Baum, wo der Kreislauf von vorn beginnt.

Leimring am Obstbaum: wann anbringen und wann abnehmen

Die folgende Zeitleiste gilt für die meisten Regionen in Deutschland. In rauen Höhenlagen setzen die Frostnächte früher ein, dort sollte der Ring schon Mitte September hängen. In sehr milden Weinbaulagen verschiebt sich das Ende der Flugzeit nach hinten, dann bleibt der Ring bis Anfang März.

Der Leimring hängt von Ende September bis Ende Februar und deckt damit die gesamte Flugzeit des Frostspanners ab.
Der Leimring hängt von Ende September bis Ende Februar und deckt damit die gesamte Flugzeit des Frostspanners ab.
ZeitraumWas zu tun ist
Mitte SeptemberRinge besorgen, Stamm und Pfahl prüfen, Brücken in die Krone suchen
Ende September bis Mitte OktoberLeimring an Stamm und Stützpfahl anbringen
Oktober bis DezemberAlle ein bis zwei Wochen kontrollieren, Laub und Insektenbelag entfernen
JanuarWeiter kontrollieren, verschmutzte Ringe ersetzen
Ende Februar bis Anfang MärzRinge abnehmen und im Restmüll entsorgen
Ab Juni, optionalWellpappgürtel gegen Apfelwickler, ein anderes Problem mit eigener Methode

Das Abnehmen ist genauso wichtig wie das Anbringen. Ab dem Frühjahr laufen vor allem Nützlinge den Stamm entlang, darunter Marienkäfer, Spinnen und Ohrwürmer. Ein vergessener Ring, der bis in den Sommer klebt, fängt fast nur noch sie.

Wer erst im November an den Ring denkt, sollte ihn trotzdem sofort anbringen. Ein Teil der Weibchen ist dann schon in der Krone, der Rest der Flugzeit lässt sich aber noch abfangen.

So sitzt der Leimring richtig

Ein Leimring fängt nur, wenn es keinen anderen Weg nach oben gibt. Gehen Sie deshalb den Baum einmal vom Boden bis zur Krone ab, bevor Sie den Ring kleben.

Stamm und Stützpfahl brauchen jeweils einen eigenen Leimring, der Anbinder liegt darüber, und kein Ast darf den Boden berühren.
Stamm und Stützpfahl brauchen jeweils einen eigenen Leimring, der Anbinder liegt darüber, und kein Ast darf den Boden berühren.
  1. Stelle wählen: Der Ring gehört in den unteren Stammbereich, deutlich unterhalb der ersten Seitenäste. Suchen Sie eine möglichst glatte Stelle ohne tiefe Borkenrisse.
  2. Rinde vorbereiten: Lose Borkenschuppen bürsten Sie vorsichtig mit einer weichen Bürste ab. Schaben Sie nicht bis ins grüne Gewebe.
  3. Ring straff anlegen: Fertige Leimringe haben einen Papier- oder Folienträger. Legen Sie ihn eng an und binden Sie ihn oben und unten fest, damit kein Spalt entsteht. Durch eine Lücke unter dem Träger kriechen die Weibchen einfach hindurch.
  4. Stützpfahl versehen: Jeder Pfahl bekommt einen eigenen Ring auf etwa gleicher Höhe. Achten Sie auch auf den Baumanbinder, der Stamm und Pfahl verbindet und oberhalb des Rings liegen muss.
  5. Brücken entfernen: Äste, die bis auf den Boden hängen oder einen Zaun berühren, kürzen Sie. Hohe Gräser und rankende Pflanzen am Stamm schneiden Sie zurück.

Bei Spalierobst an einer Hauswand reicht der Ring am Stamm oft nicht. Die Weibchen laufen die Wand hoch und steigen über das Spaliergerüst ein. Hier hilft nur, auch die Pfosten des Gerüsts zu bekleben, an einer glatten Wand bleibt eine Lücke.

Frisch gepflanzte Bäume brauchen den Ring schon im ersten Herbst, und gerade bei ihnen wird der Pfahl gern vergessen. Wer gerade Obstbäume im Herbst pflanzt, kann Ring und Pfahlring gleich im selben Arbeitsgang setzen.

Vögel und Nützlinge schützen

Ein offener Leimstreifen ist eine Gefahr für kleine Vögel, die am Stamm nach Insekten suchen, etwa Meisen oder Baumläufer. Bevorzugen Sie Ringe, bei denen die Leimfläche durch einen Schutz abgedeckt ist oder eher schmal ausfällt. Hängen Sie in der Nähe des Rings keine Futterstelle auf. Und kontrollieren Sie den Ring regelmäßig.

Klebt ein Vogel fest, reißen Sie ihn nicht ab. Speiseöl löst den Leim, das Tier gehört danach in eine Wildvogelstation oder zu einem Tierarzt, denn verklebtes Gefieder hält weder warm noch trägt es.

Maßnahmen gegen Frostspanner im Vergleich

Der Leimring ist die einzige Methode, die vor der Eiablage ansetzt. Alles andere greift erst im Frühjahr, wenn die Raupen schon fressen.

MethodeWirkungAufwandGeeignet für
Fertiger Leimring im HerbstFängt die aufsteigenden Weibchen, senkt den Befall deutlich, wenn keine Brücken bestehenGering, regelmäßige Kontrolle nötigAlle Obstbäume mit freiem Stamm
Raupenleim auf TrägerbandWie der fertige Ring, Breite selbst bestimmbarEtwas höher, klebrige ArbeitDicke Stämme, unregelmäßige Formen
Präparate mit Bacillus thuringiensisWirkt nur gegen junge, fressende Raupen; Wirkung lässt bei älteren Raupen nachMittel, Spritzung zum richtigen ZeitpunktBefall trotz Leimring, nur zugelassene Mittel für den Haus- und Kleingarten
Meisen fördernMeisen füttern ihre Brut stark mit Raupen, ergänzend wirksamEinmalig gering, Kasten jährlich reinigenJeder Garten
Raupen abklopfen oder absammelnBei kleinen Bäumen spürbar, bei Halbstämmen kaum umsetzbarHoch, mehrmals wiederholenSäulenobst, Spindelbüsche, Spalier

Zu den Bacillus-Präparaten: Ob ein Mittel im Haus- und Kleingarten zugelassen ist, steht auf der Packung und in der Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Halten Sie sich an Gebrauchsanleitung und Anwendungszeitpunkt, denn das Bakterium wirkt nur, wenn die Raupen es mit den Blättern fressen.

Was gegen Frostspanner nicht funktioniert

Ein Leimring im März oder April kommt zu spät. Die Eier liegen dann längst in der Krone, die Raupen schlüpfen dort und müssen nie am Stamm vorbei. Ein Frühjahrsring am Obstbaum hat einen anderen Zweck: Er hält Ameisen ab, die Blattläuse pflegen. Gegen Frostspanner bringt er nichts.

Gegen Apfelwickler und Pflaumenwickler hilft der Leimring ebenfalls nicht. Deren Falter fliegen in die Krone und umgehen jede Barriere am Stamm. Ein Gürtel aus Wellpappe, im Sommer angelegt, fängt dagegen die Larven, die am Stamm nach einem Versteck zum Verpuppen suchen.

Ein einzelner Ring an einem Baum mit Stützpfahl, Spalier oder bodennahen Ästen fängt oft nur einen Bruchteil der Weibchen. Der Ring zeigt dann ein paar Falter und vermittelt Sicherheit, während die Krone trotzdem voller Eier ist.

Auch ein perfekt angebrachter Ring stößt an eine Grenze: Junge Frostspannerraupen lassen sich an Spinnfäden vom Wind tragen. Stehen in der Nachbarschaft stark befallene Bäume, etwa Eichen oder Hainbuchen in einer Feldhecke, wehen im Frühjahr Raupen herüber. Der Ring senkt den Befall dann, verhindert ihn aber nicht vollständig. In dieser Lage lohnt es sich, im April den Austrieb gezielt zu kontrollieren.

Ein verschmutzter Ring wird selbst zur Brücke. Kleben Laub, Insekten und Staub dicht auf der Leimfläche, laufen die Weibchen darüber hinweg. Herbstlaub von der Fläche unter dem Baum kommt auf den Kompost, wie das am besten klappt, steht im Beitrag Laub kompostieren.

Vorbeugung für die nächste Saison

Der Leimring wirkt nur in dem Herbst, in dem er hängt. Ein Jahr Pause reicht, damit sich die Population wieder aufbaut, denn die Puppen überdauern im Boden direkt unter dem Baum. Tragen Sie sich deshalb zwei feste Termine in den Kalender ein: Ende September zum Anbringen, Ende Februar zum Abnehmen.

Nutzen Sie den alten Ring als Messinstrument. Kleben im Spätherbst viele flügellose Weibchen daran, ist der Befallsdruck hoch, und Sie sollten im Frühjahr den Austrieb genauer ansehen. Finden sich kaum welche, reicht ein Blick bei der Blüte.

Meisenkästen in der Nähe der Obstbäume helfen im Frühjahr, wenn die Brutzeit mit dem Raupenfraß zusammenfällt. Hängen Sie die Kästen im Herbst oder Winter auf, dann sind sie zur Brutzeit bezogen.

Der häufigste Fehler ist am Ende nicht der falsche Termin, sondern der vergessene Pfahl. Wenn Sie den Ring im September anbringen, gehen Sie einmal um den Baum herum und fragen sich bei jedem Pfahl, Ast und Draht, ob ein Weibchen daran in die Krone käme. Wo die Antwort ja lautet, kommt ein zweiter Ring hin oder die Verbindung wird gekappt.

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