Welche Stauden im Herbst teilen? Die Johanni-Regel und ihre Ausnahmen
Stauden, die bis Ende Juni blühen, teilen Sie im Herbst. Spätblüher kommen im Frühjahr dran. Dazu die Ausnahmen bei Pfingstrose und Bartiris, eine Tabelle für 16 Stauden und die Arten, die Sie besser gar nicht teilen.
Von Redaktion Gartenkunde · Veröffentlicht am 28. September 2026 · 8 Min. Lesezeit

Im Herbst teilen Sie Stauden, die bis etwa Ende Juni geblüht haben: Frühlingsblüher wie Bergenie und Lungenkraut, dazu Frühsommerblüher wie Pfingstrose oder Storchschnabel. Was erst ab Juli blüht, etwa Herbstastern, Sonnenhut, Phlox und Herbstanemonen, kommt besser im Frühjahr beim Austrieb an die Reihe. Wer vor dem Beet steht und überlegt, welche Stauden er im Herbst teilen soll, kommt mit dieser Faustregel in den meisten Fällen durch. Die Ausnahmen betreffen vor allem Pfingstrose und Bartiris sowie eine Handvoll Arten, die man am besten gar nicht teilt.
Die Johanni-Regel: Blüte bis 24. Juni, Teilung im Herbst
Staudengärtner orientieren sich seit Langem am Johannistag, dem 24. Juni. Liegt die Hauptblüte einer Staude vor diesem Datum, teilt man sie nach der Blüte im Spätsommer oder Herbst. Blüht sie später, wartet man bis zum Frühjahr.

Der Grund liegt im Jahresrhythmus der Pflanzen. Ein Frühjahrsblüher hat im September seine Blüte längst hinter sich, bei vielen Arten sind die Knospen fürs nächste Jahr schon angelegt. Der Boden ist dann noch warm, die Teilstücke bilden bis zum Frost neue Wurzeln und starten im März mit einem Vorsprung. Würden Sie dieselbe Pflanze im Frühjahr teilen, träfe der Eingriff genau die Phase, in der sie austreibt und blüht. Die Blüte fällt dann oft schwach aus oder ganz weg.
Bei Spätblühern verhält es sich umgekehrt. Eine Herbstaster steht im Oktober noch in Blüte. Teilen Sie sie danach, bleibt kaum Zeit zum Einwurzeln, und schlecht verwurzelte Teilstücke überstehen nasse, kalte Winter schlechter. Im Frühjahr geteilt, haben sie die ganze Saison, um bis zur Blüte kräftig zu werden.
Den Herbsttermin passen Sie an Ihre Lage an. Die Teilstücke brauchen einige Wochen frostfreien Boden, damit neue Wurzeln wachsen. In rauen Lagen und im Mittelgebirge ist deshalb der September der sichere Monat, in milden Regionen wie am Oberrhein reicht das Zeitfenster meist bis in den Oktober. Maßgeblich ist der Zustand des Bodens: Solange er sich gut mit dem Spaten bearbeiten lässt und nicht kalt und nass ist, wachsen die Teilstücke an.
Welche Stauden im Herbst teilen: Einordnung nach Blütezeit
Bevor Sie zum Spaten greifen, klären Sie zwei Dinge: Wann blüht die Staude, und wie wächst ihre Wurzel? Horste aus vielen Einzeltrieben lassen sich leicht teilen. Stauden mit einer einzigen, tief reichenden Pfahlwurzel kaum.
Frühjahrsblüher sind sichere Kandidaten für September und Oktober
Bergenie, Lungenkraut, Elfenblume, Gemswurz und Kaukasus-Vergissmeinnicht blühen zwischen März und Mai und gehören zu den dankbarsten Stauden für eine Herbstteilung. Bei Bergenie und Elfenblume teilen Sie kriechende Rhizome. Jedes Stück mit einem Blattschopf und eigenen Wurzeln wächst weiter. Primeln lassen sich direkt nach der Blüte oder im Frühherbst teilen, am besten dort, wo sie schon dichte Polster gebildet haben.
Frühsommerblüher wie Pfingstrose und Storchschnabel folgen im Herbst
Hierher gehören die Stauden mit Blüte im Mai und Juni. Die Pfingstrose ist der klassische Fall für eine Herbstteilung, braucht aber eine eigene Behandlung, die weiter unten beschrieben ist. Storchschnabel-Arten und Frauenmantel sind robust und lassen sich ab September problemlos zerlegen. Sibirische Schwertlilien bilden mit den Jahren dichte Horste, die Sie im Frühherbst mit dem Spaten teilen können.
Taglilien und Funkien fallen etwas aus dem Raster. Beide blühen im Hochsommer, gelten aber als so unempfindlich, dass sie eine Teilung im Frühjahr ebenso vertragen wie im Spätsommer. Bei Funkien hat das Frühjahr einen praktischen Vorteil: Die Triebspitzen sind dann gut sichtbar, und Sie sehen genau, wo Sie schneiden.
Sommer- und Herbstblüher teilen Sie im Frühjahr
Herbstastern, Sonnenhut, Phlox, Fetthenne und Herbstanemonen kommen im März oder April an die Reihe, sobald sich die ersten Triebe zeigen. Besonders die Herbstanemone reagiert empfindlich auf Störung und wächst nach einer Herbstteilung oft schlecht an. Ziergräser wie Chinaschilf und Lampenputzergras gehören ebenfalls ins Frühjahr. Sie wurzeln erst bei warmem Boden richtig ein, und im Herbst geteilte Horste können im nassen Winter faulen.
Diese Stauden teilen Sie besser gar nicht
Manche Arten überstehen eine Teilung schlecht, egal zu welchem Termin. Lupinen und Schleierkraut bilden eine lange Pfahlwurzel. Zerschneiden Sie diese, sterben die Teile meist ab. Christrosen und Diptam stehen am liebsten viele Jahre am selben Platz und quittieren jede Störung mit einer längeren Blühpause. Die Akelei ist kurzlebig und sät sich von selbst aus, bei ihr lohnt das Teilen nicht. Für diese Stauden ist die Aussaat oder das Umsetzen junger Sämlinge der sinnvollere Weg.
So teilen Sie Stauden im Herbst: Anleitung je Fall
Kräftige Horste: Taglilie, Storchschnabel, Sibirische Iris

Gießen Sie die Staude am Vortag durch, falls der Boden trocken ist. Feuchte Erde hält am Ballen, und die Wurzeln reißen weniger. Kürzen Sie danach das Laub auf etwa eine Handbreite, damit das Teilstück weniger Wasser verdunstet, solange es noch keine neuen Wurzeln hat.
Dann stechen Sie den Horst rundum mit dem Spaten ab, etwas außerhalb der Blattmasse, und hebeln ihn aus der Erde. Weiche Ballen trennen Sie mit einem kräftigen Spatenstich. Bei zähen, verfilzten Horsten wie älteren Taglilien hilft ein Trick aus der Staudengärtnerei: zwei Grabegabeln Rücken an Rücken in die Mitte stechen und die Stiele auseinanderdrücken. Der Ballen reißt dabei entlang natürlicher Linien auf.
Jedes Teilstück sollte etwa faustgroß sein und mehrere Triebknospen tragen. Kleinere Stücke wachsen zwar an, brauchen aber länger bis zur ersten ordentlichen Blüte. Die alte, oft verholzte oder kahle Mitte kommt auf den Kompost. Vitaler sind die jungen Randstücke.
Beim Einpflanzen lockern Sie das Pflanzloch gut auf und arbeiten etwas reifen Kompost ein. Setzen Sie jedes Stück so tief, wie es vorher stand, drücken Sie die Erde fest an und gießen Sie gründlich. Mineralischen Dünger lassen Sie im Herbst weg: Er würde weiche Triebe fördern, die im Winter erfrieren.
Lockere Wurzeln: Frauenmantel, Lungenkraut, Primeln
Für diese Stauden brauchen Sie keinen Spaten. Heben Sie die Pflanze mit der Grabegabel aus, schütteln Sie etwas Erde ab und ziehen Sie die Rosetten mit den Händen auseinander. Wo Wurzeln verfilzt sind, trennt ein scharfes Messer sauberer als Reißen. Teilstücke mit zwei oder drei Rosetten reichen, sie schließen sich im Folgejahr zu einem neuen Polster.
Pfingstrose: wenige Augen, flach pflanzen
Staudenpfingstrosen teilen Sie ab Ende August bis in den Oktober. Ihre fleischigen Wurzeln sind brüchig, heben Sie den Stock deshalb großzügig mit der Grabegabel aus. Die Augen, also die rötlichen Knospen am Wurzelhals, sind zu dieser Zeit gut zu erkennen. Schneiden Sie mit einem scharfen Messer Stücke ab, die jeweils drei bis fünf Augen und einige kräftige Wurzeln haben. Strauchpfingstrosen sind verholzt und werden nicht geteilt.
Über die Blüte entscheidet die Pflanztiefe. Die Augen sollen nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche liegen, als Richtwert etwa drei bis fünf Zentimeter. Sitzen sie tiefer, bildet die Pflanze zwar Laub, blüht aber oft über Jahre nicht. Auch bei richtiger Tiefe müssen Sie damit rechnen, dass eine geteilte Pfingstrose ein bis zwei Jahre wenig oder gar nicht blüht. Teilen Sie deshalb nur, wenn Sie vermehren wollen oder der Stock sichtbar nachlässt. Eine gesunde Pfingstrose kann Jahrzehnte am selben Platz stehen.
Bartiris: schon im Hochsommer
Die Bartiris ist der Sonderfall unter den Frühsommerblühern. Ihr Termin liegt im Juli und August, wenige Wochen nach der Blüte. Im September geht es noch, später wird es knapp, weil die Rhizome vor dem Winter einwurzeln müssen.
Graben Sie den Horst aus und brechen oder schneiden Sie die jungen Seitenrhizome samt Blattfächer ab. Das alte Mittelstück ohne Blätter blüht nicht mehr und wandert auf den Kompost. Kürzen Sie die Blätter fächerförmig auf etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter. Das Rhizom setzen Sie so flach, dass seine Oberseite gerade noch aus der Erde schaut. Bartiris will Sonne auf dem Rhizom, zugedeckt fault es leicht.
Zeitpunkt zum Teilen: Tabelle für 16 Stauden
| Staude | Hauptblüte | Teilen | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Bergenie | März bis Mai | September bis Oktober | Rhizomstücke mit Blattschopf |
| Lungenkraut | März bis Mai | nach der Blüte oder September | verträgt beide Termine |
| Elfenblume | April bis Mai | Spätsommer bis Herbst | Rhizome mit Messer trennen |
| Gemswurz | April bis Mai | September | leicht zu teilen |
| Kaukasus-Vergissmeinnicht | April bis Mai | September | robust |
| Staudenpfingstrose | Mai bis Juni | Ende August bis Oktober | Augen 3 bis 5 cm tief |
| Bartiris | Mai bis Juni | Juli bis August | Rhizom flach setzen |
| Storchschnabel | Mai bis Juli, je nach Art | Frühjahr oder September | robust |
| Frauenmantel | Juni bis Juli | Frühjahr oder September | von Hand teilbar |
| Taglilie | Juni bis August | Frühjahr oder Spätsommer | zähe Horste |
| Funkie | Juli bis August | Frühjahr oder Spätsommer | im Frühjahr Triebe gut sichtbar |
| Herbstaster | August bis Oktober | März bis April | nicht im Herbst |
| Herbstanemone | August bis Oktober | Frühjahr | störungsempfindlich |
| Chinaschilf | August bis Oktober | Frühjahr bei warmem Boden | Herbstteilung fault leicht |
| Christrose | Dezember bis März | nicht teilen | lange Blühpause nach Störung |
| Lupine | Juni bis Juli | nicht teilen | Pfahlwurzel |
Die Blütezeiten sind Spannen und verschieben sich je nach Sorte und Region um einige Wochen.
Sonderfälle: kahle Horste, Frost und Stauden im Kübel
Die Mitte ist kahl
Ein Horst, der innen verkahlt und nur noch am Rand austreibt, zeigt deutlich, dass er geteilt werden will. Häufig lässt auch die Blüte nach, obwohl sich an Standort und Pflege nichts geändert hat. Wie schnell das passiert, hängt stark von der Art ab. Wüchsige Stauden wie Herbstastern vergreisen oft schon nach wenigen Jahren, Taglilien und Funkien halten deutlich länger durch. Einen festen Turnus brauchen Sie nicht: Teilen Sie, wenn die Pflanze diese Zeichen zeigt, und verwenden Sie aus einem vergreisten Horst nur die Randstücke.
Spät geteilt, im Winter aufgefroren
Kommen Teilstücke zu spät in die Erde, können wechselnde Fröste sie anheben. Beim Gefrieren dehnt sich der Boden aus und schiebt schwach verwurzelte Pflanzen ein Stück nach oben. Die Wurzeln liegen dann frei und trocknen aus. Kontrollieren Sie Herbstpflanzungen nach Frostperioden und drücken Sie hochgeschobene Stücke wieder an. Eine lockere Decke aus Laub oder Reisig dämpft die Temperaturwechsel. Ein Laubhaufen in einer ruhigen Ecke hilft außerdem Igeln beim Überwintern. Wer ihnen ein festes Quartier bieten will, findet Maße und Standort in unserer Anleitung Igelhaus bauen und richtig aufstellen.
Stauden im Kübel
Im Kübel ist die Herbstteilung riskanter als im Beet. Der Wurzelballen ist dort von allen Seiten dem Frost ausgesetzt und friert schneller durch als Erde im Boden. Frisch geteilte Stücke haben dafür zu wenig Wurzelmasse. Teilen Sie Kübelstauden deshalb im Frühjahr, auch wenn es Frühjahrsblüher sind. Muss es im Herbst sein, dann Anfang September, und die Töpfe kommen über den Winter geschützt an die Hauswand, auf eine Unterlage aus Holz oder Styropor und mit Vlies umwickelt.
Frei gewordene Lücken im Beet nutzen
Nach dem Teilen bleibt oft mehr Pflanzmaterial übrig, als ins alte Beet passt, und zwischen den neu gesetzten Stücken entstehen Lücken. Im Herbst ist das die Gelegenheit für Blumenzwiebeln. Zwischen jungen Staudenhorsten blühen Tulpen und Narzissen im Frühjahr, bevor das Staudenlaub sie verdeckt. Tiefe und Abstand je Art stehen in unserem Beitrag Blumenzwiebeln setzen im Herbst: Tiefe, Abstand und Zeitplan. Setzen Sie die Zwiebeln mit etwas Abstand zu den frisch geteilten Wurzeln und markieren Sie die Stellen, damit Sie im Frühjahr nicht versehentlich hineinstechen.
Überzählige Teilstücke geben Sie an Nachbarn weiter oder schlagen sie in einer freien Ecke ein, bis im Frühjahr ein Platz frei ist. Wer im September ohnehin im Garten arbeitet, erledigt oft gleichzeitig den Formschnitt der Hecke. Welche Regeln dafür gelten, lesen Sie unter Hecke schneiden im September: Was erlaubt ist.
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