Tiere im Garten

Igelhaus bauen und richtig aufstellen: Maße, Standort, Zeitplan

Schlafkammer 40 x 40 cm, Eingang 10 x 10 cm, versetzter Vorraum gegen Katzen: Bauplan mit Zuschnittliste, der richtige Standort, Einstreu und der Zeitplan über das Jahr. Dazu die Rechtslage zum bewohnten Winternest.

Von Redaktion Gartenkunde · Veröffentlicht am 23. September 2026 · 9 Min. Lesezeit

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Igelhaus bauen und richtig aufstellen: Maße, Standort, Zeitplan
Igel suchen im Herbst nach einem frostsicheren Quartier mit dichter Deckung.Bild: Alexas_Fotos – Unsplash (Quelle)

Ein Igelhaus, das tatsächlich angenommen wird, hat eine Schlafkammer von etwa 40 x 40 Zentimetern, 25 bis 30 Zentimeter Innenhöhe, einen Eingang von 10 x 10 Zentimetern und dahinter einen versetzten Vorraum, durch den Katze und Marder nicht durchkommen. Es sollte bis Ende September fertig an einer schattigen, windgeschützten Stelle mit Deckung stehen, der Eingang zeigt weg von der Wetterseite, und ab November wird das Haus bis Ende April nicht mehr geöffnet.

Rechtslage: das bewohnte Igelnest darfst du nicht anfassen

Der Braunbrustigel zählt in Deutschland zu den besonders geschützten Arten nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Daraus folgt für den eigenen Garten mehr, als vielen bewusst ist: Nach § 44 BNatSchG ist es verboten, Igel zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Verboten ist außerdem, ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören. Ein belegtes Winterquartier ist genau das. Wer im Januar den Deckel abnimmt, um nachzusehen, greift in eine geschützte Ruhestätte ein, auch auf dem eigenen Grundstück.

Der Bußgeldrahmen des Bundesnaturschutzgesetzes reicht bis zu 50.000 Euro, die Höhe im Einzelfall legt die Behörde fest. Bei Gartenfällen bleibt es meist bei einer Auflage oder einem Hinweis, das Risiko trägt aber der Gartenbesitzer. Einen Igel aufnehmen darfst du nur, wenn er krank, verletzt oder hilflos ist; dann greift die Ausnahme in § 45 Abs. 5 BNatSchG, und das Tier ist freizulassen, sobald es sich selbst erhalten kann. Zuständig ist die Untere Naturschutzbehörde bei Kreis oder Stadt, in der Praxis hilft eine Igelstation oder eine wildtiererfahrene Tierarztpraxis schneller weiter.

Dass der Schutz nicht theoretisch ist, zeigt der Bestandstrend: In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands steht der Braunbrustigel auf der Vorwarnliste, und die Weltnaturschutzunion IUCN führt die Art seit 2024 als potenziell gefährdet.

Wer im Haus wohnt: Igel, Maus oder Ratte

Am Kot lässt sich der Mitbewohner am sichersten bestimmen, und zwar ohne das Haus zu öffnen. Igelkot liegt oft direkt vor dem Eingang oder auf dem Rasen: etwa drei bis vier Zentimeter lang, gut fingerdick, schwarz und leicht glänzend, mit erkennbaren Chitinresten von Käfern und Insekten. Mäusekot ist reiskorngroß und nur wenige Millimeter lang. Rattenkot erreicht ein bis zwei Zentimeter, ist spitz zulaufend und liegt in Häufchen.

Ein zweiter Hinweis ist das Nestmaterial. Igel schieben trockenes Laub in großen Mengen selbst hinein und pressen es zu einer geschlossenen Kugel, in die sie sich hineinbohren. Mäuse bauen kleine, feine Nester aus zernagten Fasern, Halmen und Federn. Wenn beim Vorbeigehen im Herbst lautes Rascheln und Schnaufen aus dem Haus kommt, ist das typisch Igel; Mäuse sind deutlich leiser.

Dass zuerst jemand anderes einzieht, ist normal. Erdhummeln nehmen gern trockene Holzkisten mit Laubfüllung, Kröten und Spitzmäuse ebenso. Ein Hummelvolk lässt du bis zum Herbst in Ruhe, es löst sich von selbst auf. Danach ist das Haus wieder frei.

Material: unbehandeltes Holz, 18 bis 22 Millimeter stark

Nimm massives, unbehandeltes Nadelholz. Rauspund oder Leimholz aus Fichte funktioniert, Lärche und Douglasie halten der Bodenfeuchte länger stand. Die Brettstärke sollte zwischen 18 und 22 Millimetern liegen, dünnere Platten wölben sich und bringen zu wenig Dämmung. OSB und Spanplatte gehören nicht in den Garten: Beide quellen bei Dauerfeuchte auf und lösen sich an den Kanten.

Innen bleibt das Holz komplett roh, ohne Lasur, Lack oder Öl. Außen kannst du Leinölfirnis auftragen, notwendig ist es nicht, wenn das Dach ordentlich überdeckt. Verschraube die Teile mit Edelstahlschrauben, Nägel arbeiten sich bei wechselnder Feuchte heraus. Für das Dach brauchst du einen Rest Dachpappe oder EPDM-Folie, dazu zwei Steinplatten als Sockel und einen schweren Stein als Auflast.

Insgesamt brauchst du rund 1,4 Quadratmeter Brettfläche, mit Verschnitt etwa 1,6 Quadratmeter. Wer Restholz vom letzten Projekt hat, kommt ohne Zukauf aus.

Bauplan mit Maßen: Zuschnitt für ein Igelhaus

Das Haus hat außen 60 x 45 Zentimeter Grundfläche und 30 Zentimeter Höhe. Bei 20 Millimeter Brettstärke bleiben innen 56 x 41 Zentimeter. Eine Trennwand teilt davon einen 15 Zentimeter breiten Vorraum ab, es verbleibt eine Schlafkammer von etwa 40 x 41 Zentimetern.

Bauplan: Der versetzte Durchgang hält Katzen draußen.
Bauplan: Der versetzte Durchgang hält Katzen draußen.
BauteilMaßAnzahlHinweis
Boden60 x 45 cm1Wände stehen darauf
Vorder- und Rückwand60 x 30 cm2Eingang in die Vorderwand
Seitenwände41 x 30 cm2zwischen Vorder- und Rückwand
Trennwand41 x 30 cm1mit Durchgang 10 x 10 cm
Dach68 x 53 cm14 cm Überstand ringsum, abnehmbar

So gehst du vor:

  1. Eingang aussägen: 10 x 10 cm in der Vorderwand, bodengleich, dicht an der rechten Ecke. Kanten mit Schleifpapier brechen, damit sich der Igel nicht an Splittern reibt.
  2. Durchgang in die Trennwand sägen, ebenfalls 10 x 10 cm, aber an der linken Ecke. Der Versatz ergibt den gewinkelten Gang, an dem Katzen scheitern.
  3. Seitenwände auf den Boden schrauben, dann Vorder- und Rückwand dagegen. Trennwand 15 cm hinter der Vorderwand einsetzen.
  4. Zwei Lüftungslöcher mit 20 Millimetern Durchmesser in die Rückwand bohren, dicht unter der Oberkante. Ohne Luftwechsel bildet sich Kondenswasser, mit großen Öffnungen zieht es durch. Zwei kleine Löcher auf der windabgewandten Seite sind der Kompromiss.
  5. Dach mit Dachpappe oder EPDM belegen, Ränder nach unten umschlagen. Zwei aufgeschraubte Leisten an der Unterseite halten das Dach in Position, ohne dass du es festschraubst. So kannst du es im Frühjahr in zehn Sekunden abheben.
  6. Fugen kontrollieren: Regen darf nirgends hineinlaufen, Zugluft durch Bodenspalten gibt es nicht.

Standort: schattig, mit Deckung, Eingang weg von der Wetterseite

Stelle das Haus an eine ruhige Stelle, die du im Winter nicht betreten musst. Gut sind die Rückseite einer Hecke, der Streifen hinter dem Geräteschuppen, eine Mauerecke oder die Basis eines Reisighaufens. Direkte Nachmittagssonne ist schlecht, weil sich das Haus aufheizt und die Tiere im Herbst zu spät in den Winterschlaf gehen.

Der Eingang zeigt möglichst nach Süden oder Südosten, also weg von den bei uns vorherrschenden West- und Nordwestwinden mit ihrem Schlagregen. Zwischen Eingang und Freiflächen sollte Deckung liegen, ein paar Zweige oder eine Staudengruppe reichen.

Unter das Haus kommen zwei Steinplatten oder eine Lage Kies, sodass der Boden zwei bis drei Zentimeter Luft hat. Steht die Kiste direkt auf Erde, zieht Feuchtigkeit ins Holz, und der Boden fault innerhalb von zwei Wintern durch. Auf das Dach legst du einen Stein, damit es bei Sturm liegen bleibt. Danach deckst du das Haus mit Laub, Reisig und Zweigen ab, bis es nach Haufen aussieht und nicht nach Möbel. Diese Tarnung ist wichtiger als jedes Bauteil.

Igel sind Einzelgänger. Zwei Häuser in einem normalen Reihenhausgarten sind sinnvoll, wenn sie mindestens einige Meter auseinander und außer Sichtweite stehen. Mehr braucht es nicht.

Einstreu: Stroh und trockenes Laub, kein Heu

In die Schlafkammer kommt eine etwa fünf Zentimeter hohe Lage aus kurzem Stroh oder trockenem Laub von Obstbäumen, Hainbuche oder Eiche. Den Rest holt sich der Igel selbst, er trägt in wenigen Nächten erstaunliche Mengen ein. Lege zusätzlich einen Haufen trockenes Laub in die Nähe, damit Baumaterial vorhanden ist.

Geeignet:

  • Stroh, kurz geschnitten
  • trockenes Laub, nicht großblättrig und klebend
  • dünne, weiche Grashalme aus dem letzten Schnitt, gut durchgetrocknet

Ungeeignet:

  • Heu, es bindet Feuchtigkeit und schimmelt schneller
  • Zeitungspapier, es saugt sich voll und wird zu einer kalten Masse
  • Watte, Stoffreste und Dämmwolle, weil sich Beine und Stacheln darin verfangen
  • frisches Rasenschnittgut, es beginnt zu gären

Zeitplan: bauen im Sommer, reinigen im Frühjahr

ZeitraumWas zu tun ist
Juli bis AugustHaus bauen, aufstellen, Laubhaufen anlegen. Wird oft schon als Wurf- oder Tagesquartier genutzt.
SeptemberLetzte Chance für ein rechtzeitiges Quartier. Standort tarnen, Einstreu einbringen.
OktoberNur noch von außen kontrollieren. Flache Wasserschale in der Nähe aufstellen.
November bis MärzHaus geschlossen lassen. Kein Deckel, keine Kontrolle, kein Umstellen.
Ende April bis MaiPrüfen, ob das Haus leer ist. Erst dann Einstreu entfernen und Holz kontrollieren.
JuniReparaturen, neuer Dachbelag, Haus wieder bestücken.
Zeitachse: aufstellen bis September, öffnen erst nach Ende April.
Zeitachse: aufstellen bis September, öffnen erst nach Ende April.

Beim Reinigen genügt trockenes Ausbürsten. Altes Nestmaterial gehört auf den Kompost, Reinigungsmittel gehören nicht ins Haus. Wenn du Fliegenlarven oder Kot findest, war es bewohnt, und das Haus ist ein Erfolg.

Jedes Wecken kostet den Igel Fettreserven, die er im Winter nicht nachtanken kann. Deshalb der harte Grundsatz: Zwischen November und Ende April bleibt der Deckel unten, auch wenn die Neugierde groß ist.

Was am Igelhaus nicht funktioniert

  • Häuser mitten auf dem Rasen. Ohne Deckung im Anlauf wird das Quartier kaum angenommen, egal wie gut es gebaut ist.
  • Große Eingänge und offene Kisten ohne Vorraum. Katzen nutzen sie als Schlafplatz, der Igel zieht aus.
  • Weidenkörbe und Kunststoffboxen. Geflecht hält keinen Regen, Plastik schwitzt und der Igel liegt nach zwei Wochen nass.
  • Sichtklappen und Fenster, die zum Nachsehen einladen. Wer sie einbaut, benutzt sie auch.
  • Lasuren und Holzschutzmittel im Innenraum. Die Ausgasung ist in einem geschlossenen 60-Liter-Raum ein echtes Problem.
  • Aufstellen im November oder Dezember. Bei mildem Wetter wechseln Igel noch das Quartier, der übliche Einzug findet aber im Oktober statt. Die Chance sinkt deutlich.
  • Milch in einer Schale. Igel verdauen Laktose nicht und bekommen Durchfall. Wasser ja, Milch nie. Wenn du zufüttern willst, ist es hochwertiges Katzenfutter ohne Soße oder spezielles Igelfutter, in einem Futterhaus mit engem Eingang.

Ehrlich gesagt: Ein gut gebauter Reisig- und Laubhaufen wird von Igeln genauso gern genutzt wie eine Holzkiste und kostet nichts. Wer Platz in einer Gartenecke hat, legt beides an und erhöht damit die Chance, dass überhaupt etwas bewohnt wird.

Der Garten drumherum entscheidet mit

Ein Igelhaus in einem igelsicheren Garten bleibt leer. Der Igel muss hineinkommen: Schneide oder säge einen Durchlass von 10 x 10 bis 15 x 15 Zentimetern am Boden von Zaun oder Gartentor, oder lass eine Lücke in der Bodenplatte unter der Hecke. Gefällegruben, offene Kellerschächte und Lichtschächte sind Fallen und brauchen eine Abdeckung oder eine Ausstiegsrampe.

Mähroboter und Freischneider sind die häufigste Verletzungsursache in Hausgärten. Igel flüchten nicht, sie rollen sich ein. Lass den Roboter nur bei Tageslicht laufen und stelle ihn nachts ab, das ist die einfachste Schutzmaßnahme überhaupt. Vor dem Freischneiden von hohem Gras oder Brennnesseln gehst du die Fläche ab und stocherst mit einem Stock die dichten Stellen durch.

Laub ist Baumaterial und Nahrungsquelle für die Insekten, von denen der Igel lebt. Räume es nur dort weg, wo es sein muss. Auf der Rasenfläche ist das anders, dort erstickt eine dicke Laubschicht die Gräser; wie du damit im Herbst umgehst, steht im Artikel zum Rasen vertikutieren im Herbst. Unter Hecken, in Beeten und in der Gartenecke bleibt das Laub liegen. Praktisch: Wenn du im Oktober ohnehin Blumenzwiebeln setzt, sammelst du das Laub gleich in der Ecke, in der das Igelhaus steht.

Häufige Fragen

Braucht das Igelhaus einen Boden?

Ja. Ein Boden hält Bodenkälte und Nässe draußen und verhindert, dass das Nestmaterial durchfeuchtet. Wichtig ist dann aber der Abstand zum Erdreich über Steinplatten oder Kies. Häuser ohne Boden funktionieren nur, wenn sie auf einer trockenen, erhöhten Fläche stehen, was in normalen Gärten selten der Fall ist.

Darf ich im Winter nachsehen, ob ein Igel drin ist?

Nein. Ein belegtes Winternest ist eine Ruhestätte im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes, und jede Störung kostet den Igel Energie. Ob das Haus bewohnt ist, erkennst du von außen: Laub im Eingang, festgetretene Wege, Kot in der Nähe, im Frost ein schneefreier Ring um den Eingang.

Was mache ich mit dem Haus im Sommer?

Stehen lassen. Igel nutzen Quartiere ganzjährig als Tagesschlafplatz, Weibchen auch als Wurfnest zwischen Mai und September. Ein Sommerbesuch ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass Standort und Zugang passen.

Ein kleiner Igel läuft im Oktober tagsüber herum, was tun?

Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, auffällig langsam wirkt oder stark untergewichtig ist, braucht Hilfe. Als Richtwert nennen Igelstationen für Jungigel ein Gewicht von mindestens etwa 500 Gramm, um den Winterschlaf zu überstehen. Wiege das Tier, halte es warm und ruf eine Igelstation oder eine Tierarztpraxis an, bevor du es behältst. Die Aufnahme ist nur bei hilflosen, kranken oder verletzten Tieren erlaubt, und das Tier muss nach der Pflege zurück in die Freiheit.

Wie lange hält ein selbst gebautes Igelhaus?

Mit 20 Millimeter Fichtenholz, dichtem Dachbelag und Abstand zum Boden hält es mehrere Jahre, Lärche oder Douglasie länger. Die Schwachstellen sind immer die Bodenkanten und der Dachbelag. Kontrolliere beide bei der Frühjahrsreinigung und tausche die Dachpappe, sobald sie reißt.

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