Amaranth anbauen: Aussaat ab Mitte Mai, Körnerernte im September
Amaranth wächst auch in deutschen Gärten, wenn er Wärme bekommt: vorziehen ab Mitte April, auspflanzen nach den Eisheiligen, Körner ernten vor dem ersten Frost. Mit Keimtemperatur, Abständen und der Anleitung zum Dreschen.
Von Redaktion Gartenkunde · Veröffentlicht am 18. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Amaranth anbauen gelingt in Deutschland, wenn Sie ihn so behandeln wie eine Tomate. Sie ziehen ihn ab Mitte April vor oder säen ab Mitte Mai direkt ins Beet, sobald der Boden mindestens 15 Grad warm ist, und zwar an den sonnigsten Platz, den Sie haben. Die Blätter ernten Sie ab dem Frühsommer, die Körner reifen je nach Sommer zwischen September und Oktober.
Viele kennen Amaranth nur aus der Müslipackung und unterschätzen die Pflanze. Körneramaranth wird ein bis zwei Meter hoch und trägt schwere Rispen voller Samen, die etwa so groß sind wie ein Mohnkorn. Genau diese winzigen Körner machen Aussaat und Ernte zur eigentlichen Aufgabe.
Amaranth anbauen: zuerst zwischen Körner- und Blattamaranth wählen
Amaranth gehört zur Gattung Amaranthus aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Botanisch ist er kein Getreide, in der Küche wird er trotzdem wie eines verwendet und gilt deshalb als Pseudogetreide. Für den Garten zählt eine andere Unterscheidung: Wollen Sie Körner ernten oder Blätter?
| Merkmal | Körneramaranth | Blattamaranth |
|---|---|---|
| Typische Arten | A. cruentus, A. hypochondriacus, A. caudatus | A. tricolor, A. dubius, A. blitum |
| Wuchshöhe | etwa 1 bis 2 m | meist unter 1 m |
| Abstand | 50 bis 60 cm zwischen den Reihen, 25 bis 30 cm in der Reihe | 30 cm zwischen den Reihen, 15 bis 20 cm in der Reihe |
| Ernte | Körner ab September | junge Blätter ab etwa sechs Wochen nach der Saat |
| Kulturdauer | rund vier bis fünf Monate | mehrere Wochen, Folgesaaten möglich |
| Im Kübel | nur in großen, standfesten Gefäßen | gut geeignet, auch im Balkonkasten |
Junge Blätter des Körneramaranths lassen sich ebenfalls essen. Wer beides will, pflückt im Juni ein paar Blätter von den unteren Etagen und lässt die Pflanze danach in Ruhe.
Beim Saatgut lohnt ein genauer Blick. Speiseamaranth aus dem Handel hat helle, cremefarbene Körner. Viele reine Zierformen, etwa der Garten-Fuchsschwanz mit seinen hängenden roten Rispen, bilden dagegen dunkle Samen. Für die Küche greifen Sie zu Saatgut, das ausdrücklich als Körneramaranth verkauft wird. Körner aus der Lebensmittelpackung können keimen, Herkunft und Reifezeit sind aber unbekannt. Stammen sie von Sorten aus wärmeren Anbaugebieten, reifen sie hier unter Umständen bis zum Frost nicht aus.
Kulturkalender von April bis Oktober
| Zeitraum | Arbeitsschritt |
|---|---|
| Mitte April bis Anfang Mai | Vorziehen auf der Fensterbank bei 20 bis 25 Grad |
| Ab Mitte Mai | Abhärten und Auspflanzen, Direktsaat bei mindestens 15 Grad Bodentemperatur |
| Juni | Hacken, vereinzeln, erste Blatternte |
| Juli und August | Anhäufeln, bei Bedarf stützen, Blüte und Kornansatz |
| September bis Oktober | Körnerernte vor dem ersten Frost |
| Oktober | Trocknen, dreschen, reinigen und einlagern |

In milden Weinbaulagen können Sie sich an den früheren Terminen orientieren. In Höhenlagen und im Norden verschieben sich Auspflanzen und Direktsaat um ein bis zwei Wochen nach hinten, die Körnerernte rückt dann näher an den ersten Frost.
Vorziehen ab Mitte April auf der Fensterbank
Am sichersten kommen Sie zu reifen Körnern, wenn Sie die Pflanzen vier bis fünf Wochen vor dem Auspflanzen vorziehen. Der Vorsprung macht im Herbst den Unterschied.
Füllen Sie kleine Töpfe oder eine Multitopfplatte mit Anzuchterde und legen Sie zwei bis drei Samen je Topf auf. Bedecken Sie sie höchstens einen halben Zentimeter mit Erde, eher weniger. Halten Sie die Erde gleichmäßig feucht, am besten mit dem Sprüher, damit die leichten Samen nicht weggeschwemmt werden. Bei 20 bis 25 Grad erscheinen die ersten Keimlinge meist nach etwa einer Woche, bei kühleren Temperaturen dauert es deutlich länger.
Nach dem Keimen brauchen die Sämlinge viel Licht und etwas weniger Wärme, sonst schießen sie dünn in die Höhe. Ein heller Platz am Südfenster reicht oft knapp. Lassen Sie je Topf nur den kräftigsten Keimling stehen und schneiden Sie die übrigen mit der Schere ab, statt sie herauszuziehen. So bleiben die Wurzeln des verbleibenden Pflänzchens unberührt.
Eine Woche vor dem Auspflanzen stellen Sie die Töpfe tagsüber nach draußen an einen geschützten Platz. Diese Abhärtung verhindert Blattschäden durch die plötzliche Sonne.
Auspflanzen und Direktsaat ab Mitte Mai
Nach den Eisheiligen, also ab Mitte Mai, dürfen die vorgezogenen Pflanzen ins Beet. Amaranth verträgt keinen Frost. Kalte Nächte unter etwa 10 Grad bremsen ihn zudem spürbar, auch wenn er sie übersteht.
Der Standort muss vollsonnig sein. Amaranth nutzt Wärme und Licht besonders effizient und wächst erst bei hohen Temperaturen richtig los. Für halbschattige Ecken eignen sich andere Kulturen besser, eine Auswahl finden Sie im Beitrag zu Gemüse, das im Halbschatten wächst. Der Boden sollte locker und durchlässig sein, Staunässe vertragen die Wurzeln schlecht. Als Mittelzehrer kommt Amaranth mit zwei bis drei Litern reifem Kompost je Quadratmeter aus, eingearbeitet bei der Beetvorbereitung. Wer keinen eigenen hat, kann im Herbst mit Laubkompost vorsorgen.
Für die Direktsaat ziehen Sie flache Rillen von höchstens einem Zentimeter Tiefe und drücken die Erde nach dem Säen nur leicht an. Säen Sie dünn und vereinzeln Sie später auf die Abstände aus der Tabelle oben. Körneramaranth sollte bis spätestens Anfang Juni im Boden sein, sonst wird die Zeit bis zur Kornreife knapp. Blattamaranth können Sie bis in den Juli hinein in Folgesätzen nachsäen.
Juni und Juli: hacken, gießen, anhäufeln
Die ersten Wochen nach dem Auflaufen wirken enttäuschend. Amaranth wächst anfangs langsam, und in dieser Phase überwuchern ihn Wildkräuter schnell. Hacken Sie deshalb regelmäßig zwischen den Reihen, bis die Pflanzen den Boden selbst beschatten. Sobald im Juni die Wärme kommt, legen sie sichtbar zu.
Jungpflanzen brauchen gleichmäßige Feuchtigkeit. Etablierte Pflanzen kommen mit Trockenphasen gut zurecht und müssen in einem normalen Sommer nur bei längerer Hitze gegossen werden. Gießen Sie dann durchdringend an den Fuß der Pflanze statt täglich ein wenig über die Blätter.
Haben die Pflanzen etwa Kniehöhe erreicht, häufeln Sie Erde um den Stängelgrund an. Das gibt den Wurzeln mehr Halt, wenn später die schweren Rispen am Stängel ziehen. In windigen Lagen setzen Sie zusätzlich einen Stab oder spannen in Reihenkultur auf beiden Seiten eine Schnur.
Mit Stickstoff halten Sie sich beim Körneramaranth zurück. Viel Dünger treibt Blattmasse und lange, weiche Stängel, die eher umknicken. Beim Blattamaranth gilt das ähnlich, aus einem anderen Grund: Wie Spinat kann er bei hoher Stickstoffgabe Nitrat in den Blättern anreichern.
Blätter ernten ab etwa sechs Wochen nach der Saat
Blattamaranth ist je nach Wärme rund sechs Wochen nach der Aussaat erntereif. Pflücken Sie die jungen Blätter und Triebspitzen, die Pflanze verzweigt sich danach und treibt neu aus. Bei sehr dichter Saat ernten Sie ganze Pflanzen und schaffen damit gleich Platz für die übrigen.
In der Küche verwenden Sie die Blätter wie Spinat: kurz dünsten oder blanchieren. Sie enthalten Oxalsäure, roh sollten Sie sie deshalb höchstens in kleinen Mengen essen. Mit Beginn der Blüte werden die Blätter fester und zäher, dann lohnt sich die Ernte kaum noch.
Körner ernten ab September
Die Körner sind reif, wenn sich die Rispe beim Reiben zwischen den Fingern leicht löst und die Samen hart sind. Ein einfacher Test: Halten Sie die Hand unter eine Rispe und schütteln Sie kräftig. Fallen dabei Körner heraus, ist es Zeit. Meist vergilben dann auch die unteren Blätter. Ein weiteres Signal kommt von den Vögeln, die sich an reifen Rispen bedienen.
Amaranth reift unregelmäßig. Unten an der Rispe sind die Körner oft schon locker, während die Spitze noch blüht. Darauf zu warten, bis alles gleichzeitig reif ist, funktioniert nicht: Bis dahin ist ein großer Teil der unteren Körner auf den Boden gefallen. Ernten Sie, sobald der Schütteltest bei den meisten Rispen anschlägt, spätestens aber vor dem ersten Frost.
Schneiden Sie die Rispen mit einem Stück Stängel ab und hängen Sie sie kopfüber an einen luftigen, trockenen Platz. Legen Sie ein Tuch oder einen Karton darunter, denn beim Trocknen fallen weiter Körner heraus. Nach ein bis zwei Wochen ist das Material trocken genug zum Dreschen.
Dreschen, reinigen und lagern im Oktober
Der aufwendigste Teil kommt nach der Ernte. Ein Sieb allein reicht nicht, weil Spreu und Blütenreste teils so klein sind wie die Körner selbst. Sie brauchen Luft, um beides zu trennen.

- Trockene Rispen in einen alten Kissenbezug oder einen großen Eimer geben und kräftig reiben oder kneten. Handschuhe tragen, die Rispen kratzen.
- Das Gemisch durch ein grobes Sieb geben. Stängelreste und große Blütenteile bleiben oben liegen.
- Den Rest durch ein feineres Sieb schütteln, durch das die Körner fallen, gröbere Spreu aber nicht.
- Die Körner in eine flache Schüssel geben und bei leichtem Wind oder vor einem Ventilator auf niedriger Stufe vorsichtig hochwerfen. Die leichte Spreu fliegt davon, die schwereren Körner fallen zurück. Mehrmals wiederholen.
- Die gereinigten Körner einige Tage auf einem Tablett nachtrocknen lassen, bis sie beim Schütteln rascheln.
Rechnen Sie bei kleinen Mengen mit einem guten Nachmittag Arbeit. Lagern Sie die Körner erst, wenn sie vollständig trocken sind, sonst schimmeln sie im Glas. Ein dicht schließendes Schraubglas an einem kühlen, dunklen Platz eignet sich gut.
Zum Essen garen Sie die Körner oder poppen sie in einer heißen Pfanne ohne Fett, roh sollten Sie sie nicht verzehren. Ein Glas mit den schönsten Körnern heben Sie als Saatgut für das nächste Jahr auf. Stand in der Nähe eine andere Amaranth-Art, kann es Kreuzungen gegeben haben, die Nachkommen sehen dann womöglich anders aus.
Die drei häufigsten Probleme beim Amaranth
Die Pflanzen kümmern im Juni
Fast immer liegt es an Kälte. Bei kühler Witterung bleibt Amaranth wochenlang klein, Schnecken und Blattläuse haben dann leichtes Spiel. Gegen das Wetter hilft nur Geduld oder ein späterer Auspflanztermin im nächsten Jahr. Ein Vlies über dem Beet in den ersten Wochen nach dem Auspflanzen hält Wärme und hält Schnecken nicht ab, gegen sie helfen Absammeln am Abend und ein Schneckenzaun um das Beet.
Die Stängel knicken unter den Rispen
Nach Gewitterregen liegen ganze Reihen am Boden. Ursache sind schwere, nasse Rispen auf Stängeln, die durch zu viel Stickstoff weich geworden sind. Abhilfe schaffen Anhäufeln im Juli, eine sparsame Düngung und Stützen in windoffenen Lagen. Bereits umgefallene Pflanzen richten Sie vorsichtig auf und binden sie an.
Die Körner werden vor dem Frost nicht reif
Das passiert nach späten Direktsaaten, in kühlen Sommern und mit Saatgut unbekannter Herkunft. Vorgezogene Pflanzen gewinnen mehrere Wochen. Wenn im Oktober Frost droht und die Rispen noch grün sind, schneiden Sie sie ab und lassen sie drinnen trocknen. Ein Teil der Körner reift dabei nach, unreife Körner bleiben aber weich und taugen weder zum Essen noch als Saatgut.
Amaranth im Topf und im Hochbeet
Blattamaranth ist für Topf und Balkonkasten gut geeignet, weil er niedrig bleibt und früh geerntet wird. Körneramaranth braucht einen großen, schweren Kübel, damit die hohe Pflanze bei Wind nicht umkippt, und muss dort häufiger gegossen werden als im Beet. Im Hochbeet wächst er wegen der wärmeren Erde gut an. Stellen Sie die hohen Pflanzen an die Nordseite, damit sie den übrigen Kulturen keine Sonne nehmen. Nach der Ernte im Oktober schneiden Sie die Stängel bodennah ab und bereiten das Beet für den Winter vor, wie im Beitrag Hochbeet winterfest machen beschrieben.
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