Adventskranz selber binden: kurze Zweige bündeln, im Kreis wickeln, den Draht nie abschneiden
Einen Adventskranz selber binden heißt: Tannengrün in kurze Bündel legen und mit Wickeldraht reihum auf einen Rohling wickeln. Hier steht, welches Grün in der Heizungsluft hält, woher Sie es legal bekommen und wie es auch ohne Strohring geht.
Von Redaktion Gartenkunde · Veröffentlicht am 06. November 2026 · 9 Min. Lesezeit

Einen Adventskranz selber binden Sie, indem Sie Tannenzweige in Stücke von 10 bis 15 Zentimetern schneiden und daraus kleine Bündel legen. Diese Bündel wickeln Sie mit einem durchgehenden Draht reihum auf einen Strohrömer, wobei jedes neue Bündel die Wicklung des vorigen verdeckt.
Das klingt nach Floristenhandwerk, ist aber eine Technik, die man nach drei, vier Bündeln im Griff hat. Entscheidend für das Ergebnis sind zwei Dinge, die viele Anleitungen nur streifen: die Wahl des Grüns und die Frage, wie dicht Sie die Bündel setzen.
Selbst gebunden lohnt sich, wenn das Grün aus dem eigenen Garten kommt
Ein selbst gebundener Kranz bringt Ihnen vor allem zwei Vorteile. Sie bestimmen Größe und Grün selbst, und Sie können den Schnitt im Garten sinnvoll verwerten. Wer Nordmanntannen, Kiefern oder einen großen Buchs im Garten hat, braucht nur noch Rohling und Draht zu kaufen. Muss das ganze Grün gekauft werden, ist der Preisvorteil gegenüber einem fertigen Kranz aus der Gärtnerei klein.
Woher das Grün kommen darf
Aus dem eigenen Garten dürfen Sie im Spätherbst jederzeit Zweige schneiden. Das Schnittverbot für Hecken und Gehölze nach dem Bundesnaturschutzgesetz gilt vom 1. März bis 30. September, im November und Dezember sind Sie also außerhalb dieser Frist.
Im Wald sieht es anders aus. Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt zwar, Zweige wild lebender Pflanzen in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich zu entnehmen, allerdings nur dort, wo kein Betretungsverbot gilt. Bäume gehören aber immer jemandem, und Äste von stehenden Tannen abzuschneiden ist keine pflegliche Entnahme. In Naturschutzgebieten ist jede Entnahme tabu. Wer kein eigenes Grün hat, fragt beim örtlichen Forstrevier nach: Viele verkaufen im Advent Schmuckreisig.
Rohling und Grün im Vergleich
Die Unterlage entscheidet darüber, ob Sie binden, stecken oder drahten. Für den klassischen gebundenen Kranz führt am Strohrömer kaum ein Weg vorbei, weil der Draht im Stroh fest greift und nicht verrutscht.
| Unterlage | Arbeitsweise | Wiederverwendbar | Entsorgung | Preisordnung | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|---|
| Strohrömer | binden mit Wickeldraht | eher nicht | Folie ab, Stroh auf den Kompost | niedrig | klassischen, dichten Tannenkranz |
| Drahtring | binden oder mit Klammern befestigen | ja | Metall zum Wertstoff | niedrig bis mittel | flache, leichte Kränze, Eukalyptus |
| Reben- oder Weidenkranz | einstecken und andrahten | mehrere Jahre | Grünschnitt | mittel | lockere Kränze, bei denen Holz sichtbar bleibt |
| Steckschaumring mit Schale | stecken, kein Binden | nein | Restmüll | mittel | Hortensien, Kranz ohne Binden |
Beim Grün zählt vor allem eine Eigenschaft: Wie lange hält es die Nadeln in der trockenen Heizungsluft? Eine Fichte, die im Garten noch frisch aussieht, kann im warmen Wohnzimmer schon nach kurzer Zeit rieseln.
| Grün | Nadelhalt im warmen Raum | Eigenschaft | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Nordmanntanne | sehr gut | weiche Nadeln, kaum Duft | ideales Grundgrün |
| Nobilistanne | sehr gut | steife, bläuliche Zweige, harziger Duft | gut für Akzente und Außenkränze |
| Kiefer | gut | lange Nadeln, lockeres Bild | braucht mehr Draht, weil die Zweige sperrig sind |
| Fichte | schlecht | spitze Nadeln | nur für Kränze an der Haustür |
| Buchsbaum | gut, trocknet formstabil | kleines Laub | giftig, nicht in Reichweite von Haustieren |
| Lebensbaum (Thuja) | mittel | würziger Geruch beim Schneiden | giftig, mit Handschuhen schneiden |
| Eibe | gut | dunkles, dichtes Grün | stark giftig, in Haushalten mit Kindern oder Tieren weglassen |
| Eukalyptus | trocknet formstabil | starker Duft, silbriges Laub | meist gekauft, gut auf Drahtring |
Außer Rohling und Grün brauchen Sie:
- Wickeldraht auf der Spule, am besten grün lackiert, damit er im Grün verschwindet
- eine Gartenschere, die sauber schneidet und keine Zweige quetscht
- Arbeitshandschuhe, bei Thuja und Eibe Pflicht
- vier Kerzen samt Kerzenhaltern mit Dorn oder ein Stück dickeren Draht
- Deko nach Wahl: Zapfen, getrocknete Orangenscheiben, Zimtstangen, Hortensienblüten
Adventskranz selber binden: Schritt für Schritt
Am Tag vor dem Binden schneiden Sie das Grün und stellen es über Nacht in einen Eimer mit kaltem Wasser. Vollgesogene Zweige trocknen später langsamer aus. Wer vom Gartenschnitt Frost an den Zweigen hat, lässt sie im Kühlen auftauen, bevor er sie verarbeitet.

- Grün vorbereiten: Zweige in Stücke von 10 bis 15 Zentimetern schneiden. Die Spitzen sind die schönsten Teile, verwenden Sie sie für die Oberseite. Die untersten zwei, drei Zentimeter jedes Stücks befreien Sie von Nadeln, damit der Draht direkt am Holz anliegt.
- Draht befestigen: Das Drahtende mehrmals fest um den Rohling wickeln und verdrillen. Ab jetzt schneiden Sie den Draht bis zum letzten Bündel nicht mehr ab.
- Bündel legen: Drei bis fünf Zweigstücke fächerartig übereinanderlegen, ein großes Stück unten als Basis, kleinere obenauf.
- Erstes Bündel aufwickeln: Das Bündel schräg auf den Rohling legen, sodass es die Oberseite und die Außenkante bedeckt. Den Draht zwei- bis dreimal straff um Stiele und Rohling ziehen.
- Nächstes Bündel versetzt auflegen: Das zweite Bündel so platzieren, dass seine Nadeln die Stiele und den Draht des ersten verdecken. Wieder zwei- bis dreimal wickeln. Für die Innenkante legen Sie immer wieder ein Bündel etwas nach innen geneigt an.
- Rundherum arbeiten: Immer in dieselbe Richtung weiterbinden und den Kranz dabei drehen. Halten Sie die Bündel gleich groß, sonst wird der Kranz an einer Stelle dick und an der anderen dünn.
- Kranz schließen: Beim letzten Bündel heben Sie die Spitzen des ersten Bündels vorsichtig an und schieben die Stiele darunter. Den Draht dort zwei-, dreimal wickeln.
- Draht vernähen: Den Draht nach etwa 15 Zentimetern abschneiden, an der Unterseite mehrmals um eine Wicklung drehen und das Ende ins Stroh stecken.
Die Unterseite bleibt unbegrünt und flach. Nur so liegt der Kranz später plan auf dem Tisch und die Kerzen stehen gerade.
Kerzen sicher befestigen
Am einfachsten sind Kerzenhalter mit Dorn, die Sie senkrecht ins Stroh drücken. Ohne Halter geht es mit dickerem Draht: ein Stück abknipsen, über einer Flamme erhitzen und in den Kerzenboden drücken, dann die Drahtenden in den Kranz stecken. Ein Holzspieß funktioniert auf die gleiche Weise, hält aber weniger fest.
Verteilen Sie die vier Kerzen gleichmäßig, also auf die Positionen von 12, 3, 6 und 9 Uhr. Damit das gelingt, zeichnen Sie vorher mit vier Holzspießen die Punkte ab, bevor Sie dekorieren.
Deko ohne Heißkleber, wo es geht
Zapfen, Zimtstangen und Orangenscheiben bekommen ein Stück Draht um den Stiel oder durch ein vorgebohrtes Loch. Die Drahtenden stecken Sie durch das Grün ins Stroh. Heißkleber auf frischen Nadeln hält schlecht, weil die Zweige beim Austrocknen schrumpfen.
Getrocknete Hortensienblüten aus dem eigenen Garten passen gut zu bläulicher Nobilistanne. Wer seine Bauernhortensien im Herbst stehen lässt, hat genug Blütenstände; was beim Schnitt zu beachten ist, steht unter Hortensien im Herbst schneiden.
Ohne Strohring oder ganz ohne Binden
Der Strohrömer ist bequem, aber kein Muss. Drei Alternativen funktionieren in der Praxis.
Auf dem Drahtring binden
Auf einem Drahtring binden Sie genauso wie auf Stroh. Der Draht greift allerdings nicht ins Material, die Bündel können verrutschen. Wickeln Sie deshalb pro Bündel eine Windung mehr und drücken Sie die Stiele beim Wickeln fest an. Eukalyptus und Buchs eignen sich gut, weil sie leicht sind und beim Trocknen ihre Form behalten.
Rebenkranz oder selbst gewundener Ring
Aus frisch geschnittenen Weidenruten oder Hartriegelzweigen lässt sich ein Ring winden: eine lange Rute zum Kreis legen und die übrigen spiralförmig darum drehen. Das Grün stecken Sie dann zwischen die Ruten und sichern es mit einzelnen Drahtwicklungen. Der Kranz wird lockerer und lässt das Holz durchscheinen.
Adventskranz ohne Binden
Wer gar nicht binden will, nimmt einen Steckschaumring in einer Kunststoffschale. Den Schaum wässern Sie, indem Sie ihn auf das Wasser legen und von selbst untergehen lassen, ohne ihn hineinzudrücken. Danach stecken Sie die angeschrägten Zweige rundum ein. Das Grün bleibt so länger frisch, und auch Hortensienblüten lassen sich einsetzen. Der Nachteil: Steckschaum ist Kunststoff und landet im Restmüll.
Noch einfacher ist ein Tablett oder eine flache Holzkiste mit vier Kerzen, um die Sie loses Grün und Zapfen legen. Das sieht weniger nach Kranz aus, hält aber genauso lange.
Länglicher Adventskranz
Für eine längliche Variante nehmen Sie ein schmales Brett oder einen Steckschaumziegel in einer passenden Schale. Auf dem Brett binden Sie das Grün in derselben Technik wie beim runden Kranz, nur in einer geraden Linie, und schrauben die Kerzenhalter vorher auf.
Wo die Methode an Grenzen stößt
Die häufigste Enttäuschung ist ein Kranz, der in der zweiten Adventswoche braun wird und nadelt. Fast immer liegt es am Grün oder am Standort. Fichte rieselt im warmen Raum zuverlässig, daran ändert auch Besprühen nichts. Nordmanntanne hält in einem nicht zu warmen Raum die vier Adventswochen durch, über dem Heizkörper oder auf dem Kachelofen nicht.

Besprühen mit Wasser hilft frischen Tannenzweigen etwas. Es ersetzt aber keine Wasserversorgung, denn der Strohrömer leitet kein Wasser nach. Wer den Kranz nachts auf den kühlen Balkon oder in den Hausflur stellt, gewinnt mehr Zeit als mit jedem Sprühstoß.
Von Glitzerspray und Kunstschnee rate ich ab. Beides macht das Grün für Kompost und Biotonne unbrauchbar, und die Nadeln trocknen darunter nicht langsamer.
Auch Größe hat Grenzen. Je größer der Rohling, desto mehr Grün und Zeit brauchen Sie, und desto schwerer wird der Kranz. Für einen Esstisch reicht meist ein Rohling von 25 bis 30 Zentimetern, weil das überstehende Grün den fertigen Kranz noch einmal deutlich breiter macht.
Aufwand, Kosten und was nach dem Advent mit dem Kranz passiert
Rechnen Sie beim ersten Kranz mit einem ganzen Nachmittag, inklusive Grün schneiden und Dekorieren. Ab dem zweiten Kranz geht das Binden selbst schnell, die meiste Zeit kostet dann das Vorbereiten der Zweige.
Finanziell lohnt sich das Selberbinden vor allem mit Grün aus dem eigenen Garten. Rohling, Draht und Kerzen sind die einzigen festen Ausgaben, der Draht von der Spule reicht für mehrere Kränze. Ein fertig gebundener Kranz kostet in Gärtnerei oder Blumenladen spürbar mehr, Sie zahlen dort die Arbeitszeit mit. Wer alles Grün kaufen muss und dazu noch ein Bastelset wählt, spart wenig und bindet vor allem aus Freude an der Arbeit.
Nach dem Advent trennen Sie die Materialien:
- Draht abwickeln und zum Metall geben
- Kerzenreste und Kunststoffhalter in den Restmüll
- Nadelgrün und Stroh auf den Kompost oder in die Biotonne, die Folie des Strohrömers vorher entfernen
- Zapfen und unbehandelte Zweige können als Mulch unter Sträuchern liegen bleiben
Wer im Garten weiter weihnachtlich schneiden möchte: Die nächste Gelegenheit kommt am 4. Dezember mit den Barbarazweigen, die bis Weihnachten in der Vase aufblühen. Neben dem Kranz steht dann oft noch ein Weihnachtsstern, der die gleichen Probleme mit Heizungsluft hat; wie Sie ihn durch den Winter bringen, lesen Sie unter Weihnachtsstern richtig pflegen.
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