Gemüsegarten

Yacon anbauen: im März vorziehen, nach dem ersten Frost ernten

Yacon wächst nur aus Rhizomstücken mit Knospen, die Speicherwurzeln selbst treiben nicht aus. So gelingt der Anbau vom Vorziehen im März über die Ernte nach dem ersten Frost bis zur Überwinterung des Wurzelstocks.

Von Redaktion Gartenkunde · Veröffentlicht am 06. November 2026 · 8 Min. Lesezeit

Teilen
Yacon anbauen: im März vorziehen, nach dem ersten Frost ernten
Frisch geerntete Yacon-SpeicherwurzelnBild: Pixzolo Photography – Unsplash (Quelle)

Yacon anbauen gelingt in Deutschland mit vorgezogenen Rhizomstücken: Ab Ende März treiben Sie diese im Topf an, nach den Eisheiligen Mitte Mai kommen sie mit 80 bis 100 Zentimeter Abstand ins Beet. Geerntet wird im Oktober oder November, sobald der erste Frost das Laub geschwärzt hat, und der Wurzelstock mit seinen rötlichen Knospen überwintert frostfrei im Keller.

Die Pflanze stammt aus den Anden und gehört wie Sonnenblume und Topinambur zu den Korbblütlern, botanisch heißt sie Smallanthus sonchifolius. Gegessen werden die dicken Speicherwurzeln. Roh sind sie knackig und süßlich, viele vergleichen den Geschmack mit Birne oder Wassermelone.

Zwei Arten von Knollen: nur das Rhizom treibt wieder aus

Wer im Herbst eine Yaconpflanze ausgräbt, findet zwei verschiedene Organe. Direkt unter den Stängeln sitzt ein knorriger Wurzelstock, das Rhizom. Auf ihm sitzen kleine rötliche bis violette Knospen. Rundherum hängen die glatten, spindelförmigen Speicherwurzeln, die in die Küche wandern.

Nur das Rhizom mit Knospen treibt im Frühjahr wieder aus, die Speicherwurzeln werden gegessen.
Nur das Rhizom mit Knospen treibt im Frühjahr wieder aus, die Speicherwurzeln werden gegessen.

Diese Speicherwurzeln haben keine Knospen und können deshalb nicht austreiben. Wer sie im Frühjahr einpflanzt, wartet vergeblich auf einen Trieb. Viele Anleitungen erwähnen das nur am Rand, dabei scheitern genau hier die meisten ersten Versuche. Als Pflanzgut taugen ausschließlich Rhizomstücke mit mindestens einer Knospe oder bereits vorgezogene Jungpflanzen.

Beides bekommen Sie im Frühjahr bei Gärtnereien mit Raritätensortiment oder im Versandhandel. Auch Tauschbörsen von Gartenvereinen sind eine gute Adresse. Saatgut ist für Hobbygärtner keine echte Option: Yacon blüht bei uns, wenn überhaupt, erst spät im Herbst, und keimfähige Samen sind selten.

Vorziehen ab Ende März im Topf

Yacon braucht eine lange Saison, weil die Speicherwurzeln erst ab dem Spätsommer richtig zulegen. Jede Woche Vorsprung im Frühjahr zahlt sich im Herbst aus. Ähnlich wie beim Tomatillo, der ebenfalls auf der Fensterbank startet, lohnt sich deshalb das Vorziehen.

Vom Rhizomstück zur Jungpflanze: Vorziehen ab Ende März, Auspflanzen nach den Eisheiligen.
Vom Rhizomstück zur Jungpflanze: Vorziehen ab Ende März, Auspflanzen nach den Eisheiligen.
  1. Holen Sie das Rhizom Ende März aus dem Winterquartier und teilen Sie es mit einem scharfen Messer. Jedes Stück braucht mindestens eine Knospe, besser zwei oder drei.
  2. Lassen Sie die Schnittflächen etwa einen Tag antrocknen. In feuchter Erde faulen frische Wunden sonst leicht.
  3. Setzen Sie die Stücke in Töpfe mit 12 bis 15 Zentimeter Durchmesser, Knospen nach oben, und bedecken Sie sie mit drei bis fünf Zentimeter Erde. Normale Gemüseerde reicht.
  4. Stellen Sie die Töpfe hell und zimmerwarm auf und halten Sie die Erde mäßig feucht. Je nach Temperatur zeigen sich nach einigen Wochen die ersten Triebe.
  5. Ab Ende April kommen die Pflanzen an milden Tagen stundenweise nach draußen. So gewöhnen sie sich an Sonne und Wind.

Beet vorbereiten im April: locker, tief und humos

Die Speicherwurzeln wachsen strahlenförmig um den Wurzelstock und sind ausgesprochen spröde. In schwerem, verdichtetem Lehm bleiben sie kurz und verformt. Beim Ausgraben brechen sie dort auch häufiger. Ideal ist ein tiefgründiger, humoser Boden, der Wasser hält und trotzdem nicht vernässt, denn in Staunässe faulen die Wurzeln.

Lockern Sie das Beet spatentief und arbeiten Sie reifen Kompost ein. Yacon bildet in wenigen Monaten sehr viel Blattmasse und dankt eine gute Grundversorgung.

Der Standort darf vollsonnig bis leicht halbschattig sein, idealerweise windgeschützt. Bei uns erreichen die Pflanzen meist 1,5 bis 2 Meter Höhe, und ihre großen, weichen Blätter knicken bei Sturm leicht ab. Planen Sie Yacon an den Nord- oder Ostrand des Gemüsebeets. Weiter vorne würde er niedrigere Kulturen den ganzen Sommer beschatten.

Auspflanzen nach den Eisheiligen Mitte Mai

Yacon ist nicht frosthart, schon leichter Frost lässt das Laub absterben. Die Jungpflanzen kommen deshalb erst nach den Eisheiligen ins Freie, in rauen Lagen eher Ende Mai.

  • Pflanzabstand: 80 bis 100 Zentimeter in alle Richtungen, jede Pflanze beansprucht also knapp einen Quadratmeter
  • Pflanztiefe: so tief, wie sie im Topf stand, gern ein paar Zentimeter tiefer
  • Angießen: kräftig, danach den Boden mulchen

Bei engerem Stand konkurrieren die Pflanzen um Licht und Wasser. Außerdem wird die Ernte mühsam, weil sich die Wurzeln benachbarter Pflanzen ineinanderschieben und beim Lockern brechen.

Yacon im Kübel auf Balkon und Terrasse

Im Kübel funktioniert Yacon, solange das Gefäß groß ist. Rechnen Sie mit mindestens 40 Litern Erdvolumen, mehr ist besser, denn die Speicherwurzeln brauchen Platz. Ein breiter Kübel passt besser zum strahlenförmigen Wurzelwuchs als ein schmaler, hoher. An heißen Tagen trocknet die Erde im Topf schnell aus. Dann müssen Sie täglich gießen.

Pflege von Juni bis September: Wasser ist der Engpass

Ab Juni legt Yacon richtig los. Die großen Blätter verdunsten viel Wasser und hängen an heißen Tagen mittags schlaff herunter. Richten sie sich abends wieder auf, ist alles in Ordnung. Bleiben sie auch am Morgen schlapp, ist der Boden zu trocken.

Gießen Sie bei Trockenheit selten und durchdringend statt täglich ein paar Tropfen. Eine Mulchschicht aus angetrocknetem Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit im Boden. Gleichzeitig unterdrückt sie Unkraut zwischen den weit stehenden Pflanzen. Besonders im August und September, wenn die Speicherwurzeln anschwellen, kostet Trockenstress Ertrag.

Auf gut mit Kompost versorgtem Boden ist Nachdüngen meist überflüssig. Magere Böden vertragen im Juni eine Gabe organischen Dünger. Hohe Pflanzen an windigen Stellen bekommen einen Pfahl, alternativ spannen Sie eine Schnur um die ganze Gruppe.

Ernte ab Ende Oktober, nach dem ersten Frost

Je länger die Pflanzen stehen, desto dicker werden die Speicherwurzeln. Warten Sie deshalb, bis der erste Nachtfrost das Laub schwarz gefärbt hat. Dann schneiden Sie die Stängel 10 bis 20 Zentimeter über dem Boden ab und graben in den folgenden Tagen aus, bevor stärkerer Frost in den Boden zieht. Gefrorene Speicherwurzeln werden weich und faulen im Lager.

  1. Stechen Sie mit der Grabegabel in 30 bis 40 Zentimeter Abstand rund um den Stängel ein und lockern Sie den Boden.
  2. Heben Sie die Pflanze samt Wurzelstock vorsichtig an. Ziehen Sie dabei nie am Stängel.
  3. Lösen Sie die Speicherwurzeln mit der Hand oder einem Messer vom Rhizom.
  4. Legen Sie das Rhizom mit den Knospen beiseite, es ist Ihr Pflanzgut für das nächste Jahr.

Ein Spaten ist für diese Arbeit ungeeignet. Die Wurzeln sind so spröde, dass jeder Stich mehrere davon durchtrennt, und angebrochene Stücke halten sich nur kurz.

Eine gut entwickelte Pflanze liefert in einem langen, warmen Jahr mehrere Kilogramm Speicherwurzeln. Nach einem kühlen Sommer oder bei später Pflanzung bleibt die Ernte deutlich darunter.

Lagern und nachreifen lassen ab November

Frisch aus der Erde schmecken die Wurzeln mild und nur leicht süß. Während der Lagerung wandelt sich ein Teil der Fructooligosaccharide, also der unverdaulichen Speicherzucker, in einfache Zucker um. Dadurch werden die Wurzeln süßer. In den Anden legt man sie dafür traditionell einige Tage in die Sonne.

Bei uns genügt es, die Wurzeln ungewaschen einige Tage bis zwei Wochen luftig und trocken nachreifen zu lassen, bis die Schale leicht schrumpelt. Für die längere Lagerung gilt ein ähnliches Prinzip wie beim Lagern von Kartoffeln: Die Wurzeln mögen es dunkel und kühl. Frost dürfen sie dabei nie abbekommen. Bewährt haben sich Kisten mit leicht feuchtem Sand oder gelochte Beutel im Gemüsefach. Unbeschädigte Wurzeln halten so mehrere Wochen bis einige Monate.

Rhizome überwintern von November bis März

Lassen Sie am Wurzelstock etwas Erde hängen und entfernen Sie nur grobe Klumpen. Kürzen Sie die Stängelreste. Danach kommt das Rhizom in eine Kiste mit leicht feuchtem Sand oder Erde, sodass es vollständig bedeckt ist.

Geeignet ist ein kühler, frostfreier Raum wie ein Keller oder eine frostfreie Garage. Steht die Kiste zu warm, treiben die Knospen vorzeitig aus. Zu trockene Rhizome schrumpfen ein. Schauen Sie im Winter alle paar Wochen nach und schneiden Sie faulige Stellen großzügig heraus.

Im Freien überwintert Yacon bei uns nicht zuverlässig. In normalen Wintern erfrieren die Rhizome selbst unter einer dicken Mulchschicht, und in milden, nassen Wintern faulen sie im Boden. Ausgraben ist der einzige sichere Weg.

Arbeitskalender von März bis November

ZeitraumArbeitsschrittWorauf es ankommt
Ende März bis AprilRhizom teilen und vorziehenJedes Stück mit mindestens einer Knospe
Ende April bis Mitte MaiAbhärtenBei Frostgefahr nachts ins Haus holen
Ab Mitte MaiAuspflanzen80 bis 100 cm Abstand
Juni bis SeptemberGießen und mulchenTrockenheit ab August vermeiden
Oktober bis NovemberErnte nach dem ersten FrostGrabegabel statt Spaten
NovemberNachreifen und einlagernUngewaschen, dunkel, frostfrei
November bis MärzRhizom überwinternKühl und leicht feucht in Sand

Sorten: im Handel meist ohne Namen

Hierzulande wird Yacon fast immer ohne Sortenbezeichnung verkauft. In den Anden gibt es viele Herkünfte, die sich in Schalen- und Fleischfarbe unterscheiden. Das Fleisch reicht von weißlich bis orange, die Schale von hellbraun bis violett. Wichtiger als die Farbe ist im Garten, dass das Pflanzgut gesund ist und mehrere kräftige Knospen trägt.

Neues Pflanzgut kaufen Sie im Idealfall nur einmal. Ein gut gewachsenes Rhizom liefert meist genug Knospen für mehrere Pflanzen im Folgejahr, überzählige Stücke sind beliebte Tauschware.

Die drei häufigsten Probleme beim Yacon-Anbau

Schnecken fressen die Jungpflanzen

Frisch gesetzter Yacon zieht Nacktschnecken an. Ältere Pflanzen mit derben, behaarten Blättern bleiben meist verschont. In den ersten Wochen nach dem Auspflanzen helfen abendliches Absammeln oder ein Schneckenkragen. Kräftige, länger vorgezogene Pflanzen überstehen den Fraß besser.

Wühlmäuse an den Speicherwurzeln

Die süßen Wurzeln sind für Wühlmäuse ein Festessen, und oft fällt der Schaden erst bei der Ernte auf. Wer im Garten regelmäßig mit ihnen kämpft, pflanzt Yacon in ein Hochbeet mit Wühlmausgitter am Boden. Ein großzügiger Drahtkorb im Beet erfüllt denselben Zweck.

Dünne Wurzeln nach kurzem Sommer

Enttäuschende Erträge haben meist eine Ursache: zu wenig Zeit. Kommt ein unvorgezogenes Rhizomstück erst Ende Mai in den Boden und beendet ein früher Frost Anfang Oktober die Saison, bleiben die Speicherwurzeln dünn. Frühes Vorziehen hilft, ebenso eine möglichst späte Ernte. Ein Vlies über den Pflanzen bei den ersten angekündigten Nachtfrösten schützt das Laub und verschafft oft noch ein, zwei Wochen Wachstum.

Teilen

Weitere Artikel