Gemüsegarten

Kamille anbauen: Samen nur andrücken, Blüten ab Mai pflücken

Echte Kamille säen Sie im September oder von März bis April direkt ins Beet. Die Samen keimen nur im Licht. Geerntet wird über mehrere Wochen, getrocknet wird schonend im Schatten.

Von Redaktion Gartenkunde · Veröffentlicht am 27. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

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Kamille anbauen: Samen nur andrücken, Blüten ab Mai pflücken
Echte Kamille in voller Blüte: Die weißen Zungenblüten stehen noch waagerecht ab, der richtige Moment für die Ernte.Bild: Walter Sturn – Unsplash (Quelle)

Wer Kamille anbauen möchte, sät die Echte Kamille im September oder von März bis April direkt an einen sonnigen Platz und drückt die winzigen Samen nur an, weil sie Licht zum Keimen brauchen. Herbstsaaten blühen ab Mai, Frühjahrssaaten etwa ab Juni, und gepflückt werden die Blütenköpfe wenige Tage nach dem Aufblühen, solange die weißen Zungenblüten noch waagerecht abstehen.

Das klingt einfach und ist es auch. Die meisten Fehlschläge entstehen an zwei Stellen: bei zu tiefer Saat und bei zu viel Fürsorge. Kamille ist ursprünglich eine Pflanze magerer Äcker. Gedüngte, schattige Gemüsebeete mag sie nicht.

Echte Kamille oder Römische Kamille: welche Pflanze Sie säen

Im Samenhandel laufen zwei verschiedene Pflanzen unter dem Namen Kamille. Für den klassischen Kamillentee ist die Echte Kamille (Matricaria chamomilla, oft auch als Matricaria recutita geführt) gemeint. Achten Sie beim Kauf auf den botanischen Namen auf der Tüte, denn der deutsche Name allein ist nicht eindeutig.

MerkmalEchte KamilleRömische Kamille
Botanischer NameMatricaria chamomillaChamaemelum nobile
Lebensdauereinjährigmehrjährig
Wuchsaufrecht, verzweigt, etwa 20 bis 50 cmniedrig, polsterartig
Blütenbodenhohl, kegelförmiggefüllt, mit Spreublättern
VermehrungAussaat, sät sich selbst ausAussaat oder Teilung
Typische NutzungTeeDuftpolster, Beeteinfassung, Tee mit herberem Geschmack

Neben der Wildform gibt es Zuchtformen der Echten Kamille mit größeren Blütenköpfen und gleichmäßigerer Blüte. Für den Hausgarten reicht die Wildform völlig. Wer viel Tee ernten will, spart mit großblütigen Zuchtformen Zeit beim Pflücken, weil sich die Menge schneller zusammenläppert.

Dieser Artikel behandelt die Echte Kamille. Die Römische Kamille wird anders kultiviert und gehört eher ins Staudenbeet.

Standort vorbereiten ab Ende August oder ab März

Kamille braucht volle Sonne. Im Halbschatten wachsen die Pflanzen lang und dünn, blühen spärlich und fallen leicht um. Für schattige Ecken finden Sie bessere Kandidaten im Beitrag zu Gemüse und Kräutern für den Halbschatten.

Der Boden darf ruhig mager sein. Kamille kommt mit lehmigen und mit sandigen Böden zurecht, solange keine Staunässe entsteht. Frischer Kompost oder Mist gehört nicht ins Kamillenbeet. Zu viel Stickstoff macht die Stängel weich und üppig, die Pflanzen kippen bei Regen und Wind, und die Blüte fällt geringer aus. Ein Beet, das im Vorjahr Starkzehrer wie Kohl oder Kürbis getragen hat, ist ideal, weil dort ohnehin wenig Nährstoffe übrig sind.

Wichtiger als Dünger ist ein feines, unkrautfreies Saatbett. Die Sämlinge sind anfangs winzig und werden von schnellwachsendem Beikraut leicht überwachsen. So bereiten Sie die Fläche vor:

  • Boden flach lockern, Wurzelunkräuter vollständig entfernen
  • grobe Klumpen zerkleinern und die Oberfläche mit dem Rechen fein krümelig ziehen
  • die Fläche mit der Rückseite des Rechens oder einem Brett leicht festdrücken, damit die Samen guten Bodenkontakt bekommen
  • bei trockenem Wetter einen Tag vor der Saat durchdringend wässern

Aussaat im September oder von März bis April

Sie haben zwei Saattermine zur Wahl. Die Herbstsaat im September bildet bis zum Winter eine flache Blattrosette, die normale Winter übersteht und im folgenden Frühjahr früher und kräftiger blüht. Die Frühjahrssaat von März bis April ist die sicherere Wahl in Regionen mit nassen, kalten Wintern oder auf schweren Böden, wo die Rosetten im Winter faulen können.

Zwei Saattermine für Echte Kamille: Die Herbstsaat überwintert als Rosette und blüht früher.
Zwei Saattermine für Echte Kamille: Die Herbstsaat überwintert als Rosette und blüht früher.

Die Samen sind staubfein. Damit sie nicht in Klumpen auf dem Beet landen, mischen Sie sie vor der Saat mit trockenem Sand. Dann streuen Sie die Mischung breitwürfig oder in Reihen mit etwa 25 bis 30 Zentimetern Abstand aus.

Nach der Saat halten Sie die Oberfläche gleichmäßig feucht. Gießen Sie mit feiner Brause, sonst schwemmt der Wasserstrahl die leichten Samen zusammen oder an den Beetrand. Die Keimung dauert meist ein bis zwei Wochen, bei kühlem Wetter auch länger. Dieselbe Technik mit dem bloßen Andrücken kennen Sie vielleicht vom Löwenzahn, der ebenfalls im Licht keimt.

Vorziehen auf der Fensterbank ist möglich, lohnt sich aber selten. Die Sämlinge sind fummelig zu pikieren, und eine Direktsaat holt den Vorsprung meist schnell ein. Wer trotzdem vorziehen will, sät mehrere Samen pro Topf einer Multitopfplatte und setzt die kleinen Horste später als Ganzes aus.

Kamille im Topf anbauen ab März

Für Balkon oder Terrasse eignet sich ein breites Gefäß mit Abzugsloch besser als ein hoher, schmaler Topf, weil Sie auf größerer Fläche mehr Blüten ernten. Etwa 20 Zentimeter Tiefe sollte der Kübel mindestens haben. Füllen Sie ihn mit ungedüngter Kräutererde oder mischen Sie normale Blumenerde etwa zur Hälfte mit Sand, dann ist das Substrat mager genug.

Gesät wird genauso wie im Beet: dünn streuen, andrücken, nicht abdecken. Im Topf trocknet die Oberfläche allerdings schneller aus. Bis die Keimlinge sichtbar sind, decken manche Gärtner das Gefäß locker mit einer durchsichtigen Folie ab, die täglich kurz gelüftet wird.

Die Ernte aus dem Topf bleibt überschaubar. Für ein paar Tassen frischen Tee im Sommer reicht ein Balkonkasten gut. Einen Wintervorrat bringen Sie mit einem einzelnen Gefäß kaum zusammen.

Pflege von April bis Juni: vereinzeln und in Ruhe lassen

Sobald die Sämlinge einige Zentimeter hoch sind, ziehen Sie zu dicht stehende Pflanzen heraus. Ein Abstand von etwa 15 bis 20 Zentimetern zwischen den Pflanzen hat sich bewährt. Dicht gedrängte Bestände stützen sich zwar gegenseitig, bleiben aber feucht und bilden pro Pflanze weniger Seitentriebe mit Blüten.

In den ersten Wochen ist Jäten die wichtigste Arbeit. Später, wenn die Kamille den Boden beschattet, haben es Unkräuter schwerer.

Gegossen wird nur bei längerer Trockenheit, und dann lieber selten und durchdringend als täglich ein bisschen. Etablierte Pflanzen vertragen trockene Phasen gut. Düngen Sie gar nicht. Das gilt auch für Pflanzen im Topf, solange die Erde frisch ist. Ähnlich anspruchslos verhält sich die Kapuzinerkresse, die ebenfalls mager gehalten wird.

Ernte ab Mai: der richtige Moment für jede Blüte

Herbstsaaten blühen ab etwa Mai, Frühjahrssaaten ungefähr ab Juni. Die Blüte zieht sich über mehrere Wochen, weil ständig neue Knospen aufgehen. Deshalb ernten Sie nicht auf einen Schlag, sondern gehen während der Blütezeit alle zwei bis drei Tage durch den Bestand.

Entscheidend ist das Stadium jeder einzelnen Blüte. Geerntet wird, wenn die Blüte voll geöffnet ist und die weißen Zungenblüten waagerecht abstehen. Hängen sie bereits deutlich nach unten und wölbt sich das gelbe Köpfchen stark kegelförmig auf, ist die Blüte älter. Solche Köpfchen zerfallen beim Trocknen gern in einzelne Blütchen und Krümel. Für Tee sind sie noch brauchbar, aber unansehnlich und schwerer zu dosieren.

So gehen Sie beim Pflücken vor:

  1. An einem trockenen Tag ernten, wenn der Morgentau abgetrocknet ist. Nasse Blüten trocknen schlecht und werden leicht braun.
  2. Die Blütenköpfe direkt unter dem Köpfchen abzupfen oder mit den Fingern wie mit einem Kamm durch den Bestand streifen. Stängelreste möglichst kurz halten.
  3. Die Blüten locker in einen Korb oder eine flache Kiste legen, nicht in eine Plastiktüte drücken.
  4. Noch am selben Tag zum Trocknen ausbreiten.

Für frischen Tee können Sie die Blüten sofort aufgießen. Frische Köpfchen enthalten viel Wasser, Sie brauchen davon also eine größere Menge als von getrockneten.

Kamille trocknen und lagern im Sommer

Zum Trocknen breiten Sie die Blüten in einer dünnen Schicht auf Zeitungspapier, einem Backpapier oder besser auf einem Gitter aus. Der Platz sollte schattig, warm und gut belüftet sein. Direkte Sonne bleicht die Blüten aus und lässt einen Teil der Aromastoffe verfliegen. Je nach Wetter dauert das Trocknen einige Tage bis etwa eine Woche. Wenden Sie die Blüten zwischendurch vorsichtig.

Im Dörrgerät oder im Backofen geht es schneller. Halten Sie dann die Temperatur bei höchstens 35 bis 40 Grad und lassen Sie im Ofen die Tür einen Spalt offen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Höhere Temperaturen treiben das ätherische Öl aus, das den typischen Duft ausmacht.

Fertig sind die Blüten, wenn sie beim Anfassen rascheln und sich leicht zerreiben lassen. Bleiben sie weich oder biegsam, brauchen sie noch Zeit. Unvollständig getrocknete Blüten schimmeln im Glas.

Gelagert wird dunkel und luftdicht, etwa in einem Schraubglas im Schrank oder in einer Blechdose. Das Aroma lässt mit der Zeit nach. Brauchen Sie den Vorrat möglichst bis zur nächsten Ernte auf.

Zeitplan über das Jahr

ZeitraumArbeit
Ende August bis SeptemberBeet vorbereiten, Herbstsaat
Oktober bis FebruarRosetten der Herbstsaat stehen lassen, nicht abdecken
März bis AprilFrühjahrssaat im Beet oder Topf
April bis Maivereinzeln, jäten
ab Mai (Herbstsaat)Blüte und Ernte alle zwei bis drei Tage
ab Juni (Frühjahrssaat)Blüte und Ernte alle zwei bis drei Tage
Juli bis Augusteinige Blüten ausreifen lassen für die Selbstaussaat, Rest abräumen

Selbstaussaat ab Spätsommer nutzen

Wer im nächsten Jahr nicht neu säen möchte, lässt am Ende der Blütezeit einige Pflanzen stehen. Die Köpfchen reifen aus, die Samen fallen auf den Boden, und im Herbst erscheinen neue Rosetten. Auf diese Weise hält sich ein Kamillenbestand oft über Jahre an derselben Stelle.

Der Nachteil: Die Kamille wandert. Sie taucht in Wegfugen, im Gemüsebeet nebenan und im Kies auf. Störende Sämlinge lassen sich leicht jäten, solange sie klein sind. Möchten Sie die Ausbreitung begrenzen, schneiden Sie die verblühten Köpfchen ab, bevor sie braun werden, und lassen nur an einer bestimmten Stelle einige ausreifen.

Drei häufige Probleme beim Kamille anbauen

Die Saat keimt kaum oder gar nicht

Der Schnitt-Test: Nur bei der Echten Kamille ist der Blütenboden innen hohl.
Der Schnitt-Test: Nur bei der Echten Kamille ist der Blütenboden innen hohl.

Die häufigste Ursache ist eine zu tiefe Saat, etwa weil die Samen eingeharkt oder mit Erde übersiebt wurden. Ebenso oft trocknet die Oberfläche in den ersten Tagen aus. Bei Lichtkeimern genügt ein einziger trockener, sonniger Nachmittag, um keimende Samen absterben zu lassen. Abhilfe: neu säen, nur andrücken, die Fläche bis zur Keimung täglich mit feiner Brause befeuchten. Ältere Samen keimen schlechter, deshalb lohnt bei Restbeständen aus Vorjahren ein frisches Tütchen.

Die Pflanzen fallen um und blühen wenig

Hier stimmt fast immer etwas mit Standort oder Nährstoffen nicht. Zu viel Stickstoff, zu wenig Sonne oder zu dichter Stand führen zu langen, weichen Stängeln, die nach dem ersten Gewitter am Boden liegen. Im laufenden Jahr hilft nur, umgekippte Triebe trotzdem abzuernten. Für die nächste Saison wählen Sie einen sonnigeren, magereren Platz und vereinzeln konsequenter.

Im Bestand wachsen Doppelgänger ohne Duft

Gerade bei Selbstaussaat und auf Flächen in Feldnähe schleichen sich Verwandte ein, vor allem die Geruchlose Kamille und die Hundskamille. Beide sehen der Echten Kamille auf den ersten Blick ähnlich. Für Tee taugen sie nicht, die Geruchlose Kamille duftet kaum, die Hundskamille riecht eher unangenehm.

Eine weitere Art mit hohlem Blütenboden und Kamillengeruch ist die Strahlenlose Kamille, die oft an Wegrändern wächst. Ihr fehlen die weißen Zungenblüten völlig, sie trägt nur grünlich gelbe Köpfchen. Damit ist sie leicht von der Echten Kamille zu unterscheiden.

Blattläuse und Echter Mehltau kommen an Kamille ebenfalls vor, meist ohne großen Schaden. Befallene Triebe schneiden Sie ab und ernten von den gesunden weiter. Spritzmittel sind bei einer Pflanze, deren Blüten Sie aufgießen wollen, keine gute Idee.

Wer nach der Kamille noch Platz für eine weitere duftende Pflanze in der Sonne sucht, findet im Beitrag zum Lavendel und seinem Schnitt einen mehrjährigen Partner für dieselbe magere, trockene Ecke.

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