Katzengras selber anbauen: Körner einweichen, dicht säen, nach einer Woche füttern
Hafer oder Weizen über Nacht quellen lassen, dicht auf Anzuchterde säen, nach sieben bis zehn Tagen füttern. Dazu: welches Saatgut nicht in den Katzentopf gehört und wie Sie Wurzelhaare von Schimmel unterscheiden.
Von Redaktion Gartenkunde · Veröffentlicht am 28. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit

Katzengras selber anbauen dauert etwa eine Woche: Hafer-, Weizen- oder Gerstenkörner über Nacht einweichen, dicht auf feuchte Anzuchterde streuen, dünn abdecken und bei Zimmertemperatur hell stellen. Sind die Halme rund 10 bis 15 Zentimeter hoch, darf die Katze ran, und alle ein bis zwei Wochen säen Sie einen neuen Topf, weil das Gras nach zwei bis drei Wochen schlapp wird.
Die meisten Fehler passieren schon beim Einkauf der Körner. Der Rest ist Routine, solange die Erde feucht bleibt und nicht nass.
Warum Katzen überhaupt Gras fressen, ist übrigens nicht abschließend geklärt. Die verbreitete Erklärung, das Gras helfe beim Hochwürgen von Haarballen, klingt plausibel, sicher belegt ist sie nicht. Fest steht nur, dass viele Wohnungskatzen gern an Halmen kauen und sich sonst an Zimmerpflanzen vergreifen, von denen einige giftig sind. Lilien zum Beispiel sind für Katzen hochgiftig und sollten nicht in der Wohnung stehen, auch nicht neben dem Grastopf.
Welches Saatgut sich als Katzengras eignet
Als Katzengras gelten junge Getreidehalme. Sie sind weich, wachsen schnell und lassen sich ohne Aufwand ständig nachziehen. Im Zoohandel steckt hinter dem Etikett aber manchmal eine ganz andere Pflanze.
| Saatgut | Halme | Eignung | Worauf achten |
|---|---|---|---|
| Hafer (Avena sativa) | breit und weich | sehr gut | ganze Körner, mit oder ohne Spelze; Nackthafer und Keimsaat keimen zuverlässig |
| Weizen (Triticum aestivum) | weich, etwas schmaler | gut | als Keimsaat für Weizengras im Bioladen und Reformhaus erhältlich |
| Gerste (Hordeum vulgare) | etwas fester | gut | auf Keimfähigkeit achten, geschälte Graupen keimen nicht |
| Zyperngras (Cyperus) | hart, scharfkantig | eher ungeeignet | Zimmerpflanze, kein Getreide; wird oft als Katzengras verkauft |
| Grünlilie (Chlorophytum comosum) | lang, bandförmig | Ausweichpflanze | gilt als ungiftig für Katzen, wächst aber langsam und wird schnell zerkaut |
| Gebeiztes Saatgut | ungeeignet | an der kräftigen Färbung der Körner zu erkennen |
Die einfachste Quelle ist Keimsaat aus dem Bioladen. Sie ist für den Verzehr als Sprosse gedacht, also unbehandelt, und hat eine gute Keimrate. Speisehafer funktioniert nur, wenn es ganze Körner sind. Haferflocken sind gequetscht und keimen nicht mehr, das gilt auch für Kernige Flocken.
Vom Zyperngras raten viele Tierärzte ab. Die Blätter sind deutlich härter als Getreidehalme und können an den Kanten Schnittverletzungen im Maul verursachen. Wer im Laden einen Topf mit dichten, schirmartigen Blattquirlen sieht, hat Zyperngras vor sich und kein Getreide.
Tag 0: Körner 8 bis 12 Stunden einweichen
Einweichen ist nicht zwingend, beschleunigt die Keimung aber spürbar und sorgt für einen gleichmäßigeren Aufgang. Geben Sie die Körner in eine Schüssel und bedecken Sie sie reichlich mit Wasser, weil sie beim Quellen deutlich an Volumen zulegen. Über Nacht reicht.
Länger als einen halben Tag sollten die Körner nicht im Wasser liegen. Dann fehlt ihnen Sauerstoff, und das Wasser fängt an zu riechen. Gießen Sie das Einweichwasser ab und spülen Sie die Körner einmal kurz durch, bevor sie in die Erde kommen.
Tag 0: dicht aussäen und nur dünn abdecken
Als Gefäß eignet sich jeder schwere, standfeste Topf mit Abzugsloch. Leichte Plastiktöpfe kippt eine Katze beim ersten Zupfen um. Eine flache Schale mit 10 bis 15 Zentimeter Durchmesser ist ein gutes Maß für eine Katze.

Füllen Sie ungedüngte Anzuchterde oder Kokossubstrat ein. Normale Blumenerde ist oft vorgedüngt, und Kokossubstrat hat den Vorteil, dass es weniger staubt, wenn die Katze darin scharrt. Feuchten Sie das Substrat vorher gut an, später ist das Gießen von oben bei frisch gesäten Körnern ungünstig, weil sie verschwemmt werden.
Streuen Sie die gequollenen Körner so dicht, dass sie sich fast berühren. Katzengras soll einen geschlossenen Teppich bilden, einzelne Halme knickt die Katze sofort um. Danach siebt man eine dünne Schicht Erde darüber, etwa einen halben Zentimeter. Andrücken, fertig.
Ohne Erde geht es auch: Körner auf mehrere Lagen feuchtes Küchenpapier oder in eine Keimschale legen, wie man es von Weizengras kennt. Das Gras wird so aber weniger standfest, und die Katze reißt die verfilzten Wurzeln samt Papier heraus.
Tag 1 bis 4: Keimung unter Abdeckung bei 18 bis 22 Grad
In den ersten Tagen braucht die Saat vor allem gleichmäßige Feuchtigkeit. Eine Glasplatte, ein umgedrehter Teller mit Spalt oder locker aufgelegte Frischhaltefolie hält das Wasser im Topf. Einmal am Tag abnehmen und lüften, sonst staut sich die Luft.
Normale Zimmertemperatur genügt. Bei rund 18 bis 22 Grad zeigen sich bei Hafer und Weizen meist nach zwei bis vier Tagen die ersten Spitzen, in kühlen Räumen dauert es länger. Sobald die Halme sichtbar sind, kommt die Abdeckung ganz weg.
Gießen Sie ab jetzt lieber von unten: Topf für einige Minuten in eine Schale mit Wasser stellen, dann abtropfen lassen. Stauende Nässe im Untersetzer ist der häufigste Grund für Schimmel und Trauermücken.
Ab Tag 7 bis 10: den Topf zur Katze stellen
Bei 10 bis 15 Zentimeter Höhe ist das Gras fest genug. Vorher reißt die Katze die Keimlinge mit Wurzel und Korn aus, und der Topf ist nach einem Nachmittag leer.
Der Standort braucht Licht. Ein helles Fenster ist ideal, pralle Mittagssonne hinter Glas trocknet die flache Schale allerdings schnell aus. Halme, die zu dunkel stehen, werden lang und blass und kippen um. Mit dem Lichtbedarf vieler Blattkulturen, die im Halbschatten wachsen, kann Getreide nicht mithalten.
Stellen Sie das Gras dort hin, wo die Katze ohnehin gern sitzt, zum Beispiel neben den Kratzbaum oder auf die Fensterbank. Steht es in der Nähe anderer Zimmerpflanzen, hat die Katze die Wahl, und das Ziel ist ja gerade, dass sie sich für das Gras entscheidet.
Nach zwei bis drei Wochen: neu aussäen
Katzengras ist eine Wegwerfkultur. Die Körner liefern die Energie für den ersten Austrieb, danach fehlen Nährstoffe und Licht für weiteres Wachstum. Die Spitzen werden gelb, die Halme knicken, und angefressene Stellen wachsen nur zögerlich nach.

Schneiden Sie welke Halme ab, treibt das Gras manchmal ein zweites Mal aus, bleibt aber dünner. Für eine durchgehende Versorgung arbeiten Sie besser mit zwei oder drei Töpfen im Wechsel.
| Woche | Topf 1 | Topf 2 | Topf 3 |
|---|---|---|---|
| 1 | säen, keimen | ||
| 2 | bei der Katze | säen, keimen | |
| 3 | bei der Katze, erste gelbe Spitzen | wächst heran | säen, keimen |
| 4 | ausleeren, neu säen | bei der Katze | wächst heran |
| 5 | keimt | lässt nach | bei der Katze |
Alte Erde kommt auf den Kompost, mitsamt Wurzelfilz. Verwenden Sie sie nicht erneut, darin sitzen oft schon Schimmelsporen und Trauermückenlarven.
Katzengras selber anbauen im Balkonkasten: April bis September
Für Katzen mit Balkon funktioniert dieselbe Methode im Kasten. Ausgesät wird, sobald keine starken Nachtfröste mehr drohen, im Flachland meist ab April, und das bis in den September hinein. Draußen keimt das Getreide je nach Witterung langsamer als in der Wohnung.
Im Freien kommen zwei Probleme hinzu. Vögel picken die Körner aus der Erde, bevor sie keimen, deshalb hilft ein Stück Vlies oder ein Gitter in der Keimphase. Und Regen schwemmt die dünne Deckschicht ab, hier ist eine etwas tiefere Saat von rund einem Zentimeter sinnvoll.
Wer im Garten ohnehin Grünfutter zieht, etwa Luzerne für Kleintiere, sollte die Beete trennen. Für die Katze gilt: nur die Getreidesaat im eigenen Kasten, keine Wildkräuter oder Mischsaaten, deren Zusammensetzung Sie nicht kennen.
Die drei häufigsten Probleme beim Katzengras
Schimmel auf den Körnern und Trauermücken
Schimmel entsteht fast immer durch zu viel Wasser und zu wenig Luft. Typisch ist ein grauer oder grünlicher Belag auf einzelnen Körnern, der sich von dort ausbreitet. Ein verschimmelter Topf wird komplett entsorgt, Rauskratzen hilft nicht, weil die Sporen längst im Substrat sitzen.
Trauermücken sind die kleinen schwarzen Fliegen, die beim Gießen aus der Erde auffliegen. Ihre Larven leben in dauerhaft feuchtem Substrat. Da der Topf ohnehin nach wenigen Wochen weggeworfen wird, reicht es meist, den nächsten Topf trockener zu halten und nur von unten zu gießen. Gelbtafeln fangen erwachsene Mücken, stecken Sie die aber nicht in den Katzentopf, die Leimfläche klebt an Fell und Pfoten.
Lange, blasse Halme, die umkippen
Das Gras ist vergeilt, es hat zu wenig Licht bekommen und streckt sich danach. Das passiert vor allem im Winter auf Nordfenstern. Am Topf selbst lässt sich nichts mehr retten. Den nächsten stellen Sie heller, und in den dunklen Monaten säen Sie lieber etwas häufiger nach, weil die Töpfe dann schneller nachlassen.
Die Katze gräbt, frisst nicht oder erbricht
Scharrt die Katze im Topf, hält sie ihn für eine Toilette. Ein dichter, geschlossener Halmteppich und eine Abdeckung aus groben Steinen am Rand helfen, ebenso ein Standort fern vom Katzenklo.
Manche Katzen ignorieren Katzengras einfach. Ein Wechsel von Hafer zu Weizen oder umgekehrt ist einen Versuch wert, weil sich die Halme in Breite und Festigkeit unterscheiden. Zwingen lässt sich nichts, und eine Katze, die Gras verschmäht, braucht deshalb nicht automatisch etwas anderes.
Gelegentliches Erbrechen nach dem Grasfressen kommt vor. Häufiges Erbrechen gehört dagegen nicht zum normalen Bild.
Was das Selberziehen gegenüber dem gekauften Topf bringt
Fertige Töpfe aus Zoohandel und Supermarkt sind beim Kauf oft schon weit entwickelt. Sie halten dann entsprechend kürzer, und Sie wissen nicht immer, ob es Getreide oder Zyperngras ist. Wer selbst sät, bestimmt das Saatgut, die Erde und den Zeitpunkt.
Der Aufwand liegt bei wenigen Minuten pro Topf. Eine Packung Keimsaat reicht für viele Aussaaten, wenn Sie sie trocken und luftdicht lagern. Prüfen Sie bei älteren Packungen vor der großen Aussaat mit einer Handvoll Körner auf feuchtem Küchenpapier, ob sie noch zuverlässig keimen. Kommen nach vier, fünf Tagen nur vereinzelte Keime, ist eine neue Packung fällig, dichtes Säen gleicht eine schwache Keimrate kaum aus.
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