Zierpflanzen

Amaryllis richtig pflegen: im Sommer füttern, im Herbst trocken ruhen lassen

Ob die Amaryllis im nächsten Winter wieder blüht, entscheidet sich nach der Blüte. Die Blätter bleiben stehen und werden bis Ende Juli gedüngt. Ab September braucht die Zwiebel eine trockene Pause.

Von Redaktion Gartenkunde · Veröffentlicht am 04. November 2026 · 8 Min. Lesezeit

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Amaryllis richtig pflegen: im Sommer füttern, im Herbst trocken ruhen lassen
Blühende Amaryllis im Topf: Die Zwiebel schaut zu einem guten Teil aus der Erde heraus.Bild: Denis Bayer – Unsplash (Quelle)

Wer seine Amaryllis richtig pflegen will, stellt sie während der Blüte hell und gießt sparsam, ohne die Zwiebel selbst nass zu machen. Nach der Blüte bleibt die Pflanze grün stehen und bekommt bis Ende Juli Dünger, ab September dann eine trockene, kühle Ruhezeit von mindestens acht Wochen. Ohne diese beiden Phasen treibt die Zwiebel im nächsten Winter meist nur Blätter.

Was im Handel als Amaryllis verkauft wird, ist botanisch der Ritterstern, Gattung Hippeastrum. Er stammt aus Mittel- und Südamerika und ist nicht winterhart. Die echte Amaryllis, Amaryllis belladonna, kommt aus Südafrika und blüht im Spätsommer. Als Topfpflanze für die Fensterbank spielt sie kaum eine Rolle. Alles Folgende bezieht sich auf den Ritterstern.

Die Blüte im Winter entsteht im Sommer davor

An dieser einen Regel hängt die gesamte Pflege: Die Zwiebel blüht im Winter von dem, was sie im Sommer zuvor eingelagert hat. Die Blütenanlagen für die nächste Saison bildet sie während der Wachstumsphase, solange grüne Blätter Energie liefern. Wer die Blätter nach der Blüte abschneidet oder die Pflanze im Sommer vergisst, bekommt eine geschrumpfte Zwiebel ohne Blütenschaft.

Daraus ergibt sich der Jahresablauf. Nach der Blüte folgt ein halbes Jahr Wachstum mit Wasser und Dünger. Danach kommt die Ruhe, in der die Blätter einziehen und die Zwiebel trocken liegt. Erst wenn die Ruhezeit vorbei ist, treibt sie neu aus. Diese drei Abschnitte lassen sich verschieben, aber keiner davon lässt sich überspringen.

Welche Amaryllis bei Ihnen steht

Die Pflege beginnt je nach Kaufform an einer anderen Stelle im Jahreslauf. Es lohnt sich, kurz einzuordnen, was Sie vor sich haben.

Getopfte Pflanze mit Knospe oder Blüte

Das ist der häufigste Fall in der Adventszeit. Die Zwiebel ist bereits angetrieben, Sie steigen direkt in die Blütephase ein. Prüfen Sie beim Kauf, ob die Zwiebel fest ist und der Topf ein Abzugsloch hat. Dekotöpfe ohne Loch sind ein häufiger Grund für faulende Zwiebeln.

Lose Zwiebel zum Antreiben

Hier pflanzen Sie selbst und bestimmen damit den Blühtermin. Ab dem Eintopfen dauert es meist sechs bis zehn Wochen bis zur Blüte, je nach Sorte und Raumtemperatur. Wer zu Weihnachten Blüten möchte, topft also Ende Oktober oder Anfang November.

Gewachste Zwiebel

Die Zwiebel steckt in einer Wachshülle und blüht ohne Erde und ohne Wasser. Für sie gilt ein eigener Abschnitt weiter unten, weil sich die Pflege nach der Blüte grundlegend unterscheidet.

Zwiebel aus dem Vorjahr

Sie haben die Amaryllis behalten und wollen sie erneut zum Blühen bringen. Dann kommt es darauf an, in welcher Phase sie gerade steckt. Der Pflegekalender weiter unten zeigt, was zu welcher Jahreszeit dran ist.

Eintopfen: Zwiebel zu einem Drittel bis zur Hälfte über der Erde

Der Topf sollte nur wenig größer sein als die Zwiebel, rundum reichen etwa zwei bis drei Zentimeter Platz. In einem zu großen Topf bleibt die Erde lange nass, und die Zwiebel steckt ihre Kraft in Wurzeln und Blätter. Ein schwerer Ton- oder Keramiktopf hält die kopflastige Pflanze besser aufrecht als ein leichter Kunststofftopf.

So tief kommt die Amaryllis-Zwiebel in den Topf: ein Drittel bis die Hälfte bleibt über der Erde.
So tief kommt die Amaryllis-Zwiebel in den Topf: ein Drittel bis die Hälfte bleibt über der Erde.

Als Substrat eignet sich normale Blumenerde, die Sie mit etwas Sand oder feinem Blähton lockerer machen. Auf den Topfboden kommt eine dünne Drainageschicht. Setzen Sie die Zwiebel so ein, dass das obere Drittel bis die obere Hälfte herausschaut. Komplett eingegrabene Zwiebeln faulen leichter, weil sich am Zwiebelhals Feuchtigkeit sammelt.

Vertrocknete oder abgestorbene Wurzeln schneiden Sie vor dem Pflanzen ab. Gesunde, helle Wurzeln bleiben dran. Manche Gärtner stellen die Wurzeln einer losen Zwiebel vorher einige Stunden in lauwarmes Wasser, die Zwiebel selbst bleibt dabei trocken.

Amaryllis richtig pflegen in der Blütezeit

Nach dem Eintopfen braucht die Zwiebel Wärme, aber kaum Wasser. Gießen Sie einmal leicht an und dann erst wieder, wenn sich der Blütenschaft einige Zentimeter zeigt. Wer vorher kräftig gießt, regt das Blattwachstum an, und der Schaft kommt verzögert oder gar nicht.

Sobald der Schaft wächst, gießen Sie regelmäßig, immer dann, wenn die obere Erdschicht abgetrocknet ist. Das Wasser gehört auf die Erde oder in den Untersetzer, nie in den Zwiebelhals. Was nach einer Viertelstunde noch im Untersetzer steht, gießen Sie ab.

Der Standort ist hell, am besten direkt am Fenster. Der Schaft wächst zum Licht und wird schief, wenn Sie den Topf nicht alle paar Tage ein Stück drehen. Normale Zimmertemperatur um 20 Grad reicht für den Austrieb. Ist die Blüte offen, hält jede einzelne Blüte an einem kühleren Platz um 16 Grad spürbar länger als neben der Heizung.

Verwelkte Einzelblüten brechen Sie samt dem kleinen Fruchtknoten dahinter aus. Bleibt er stehen, bildet die Pflanze eine Samenkapsel und verbraucht dafür Reserven, die im nächsten Jahr fehlen. Große Zwiebeln schieben oft einen zweiten Schaft nach, sobald der erste abgeblüht ist.

Gedüngt wird während der Blüte nicht, die Zwiebel lebt jetzt von ihren Vorräten. Wer schon einen Weihnachtsstern richtig pflegt, kennt das Prinzip vom sparsamen Gießen im Winter, die Amaryllis verträgt Staunässe allerdings noch schlechter.

Nach der Blüte: Schaft weg, Blätter stehen lassen

Ist die letzte Blüte verwelkt, schneiden Sie den Schaft ab, sobald er weich wird und vergilbt, etwa fingerbreit über der Zwiebel. Die Blätter, die jetzt erst richtig wachsen, bleiben unbedingt stehen. Sie sind das Kraftwerk für die Blüte im nächsten Winter.

Ab jetzt beginnt die Wachstumsphase. Die Pflanze bleibt am hellen Fenster und bekommt regelmäßig Wasser, sodass die Erde leicht feucht ist. Mit dem Düngen fangen Sie an, sobald die Blätter sichtbar zulegen.

Sommer: ab Mitte Mai draußen, Dünger bis Ende Juli

Nach den Eisheiligen darf die Amaryllis auf Balkon oder Terrasse. Ein halbschattiger Platz ist ideal, geschützt vor Wind und Starkregen. Gewöhnen Sie die Blätter in den ersten ein bis zwei Wochen langsam an das Freiland, sonst verbrennt die Mittagssonne die weichen Blätter.

Gedüngt wird bis Ende Juli etwa alle zwei Wochen mit einem flüssigen Blühpflanzendünger. Halten Sie sich an die Dosierung auf der Packung, mehr bringt keine größere Zwiebel. Gießen Sie im Sommer gleichmäßig, im Freien bei Hitze auch häufiger als drinnen. Nach Regenperioden kontrollieren Sie, ob im Übertopf Wasser steht.

Im August beginnt der Übergang. Der Dünger ist jetzt bereits abgesetzt, und die Wassergaben werden kleiner. Bevor die Nächte deutlich unter 10 Grad fallen, spätestens aber vor dem ersten Frost, holen Sie den Topf ins Haus.

Ruhezeit ab September: trocken und um 15 Grad

Ab Anfang September gießen Sie gar nicht mehr. Die Blätter werden gelb und ziehen ein, die Pflanze verlagert ihre Reserven in die Zwiebel. Vergilbte Blätter schneiden Sie erst ab, wenn sie welk sind. Bleiben einzelne Blätter länger grün, ist das kein Problem.

Für die Ruhezeit stellen Sie den Topf an einen kühlen, trockenen Platz. Ein frostfreier Keller, ein ungeheiztes Gästezimmer oder ein Treppenhaus mit Temperaturen um 15 Grad passen gut. Licht braucht die Zwiebel in dieser Phase nicht. Die Ruhe dauert mindestens acht Wochen, viele Fachquellen empfehlen acht bis zwölf.

Die Zwiebel bleibt in der trockenen Erde im Topf. Prüfen Sie zwischendurch, ob sie fest ist. Leicht schrumpelige äußere Schalen sind normal, eine weiche Basis ist es nicht.

Wie bei Geranien, die kühl überwintert werden, gilt auch hier: Ein warmes Wohnzimmer ersetzt keinen Ruheplatz. Die Zwiebel bleibt dort zwar am Leben, die Ruhephase verläuft aber unvollständig, und die Blüte fällt aus oder kommt verspätet.

Neustart im Spätherbst: frische Erde und der erste Schluck Wasser

Nach der Ruhezeit nehmen Sie die Zwiebel aus dem Topf, schütteln die alte Erde ab und schneiden trockene Wurzeln und lose, papierartige Schalen weg. Dann topfen Sie sie in frisches Substrat, nach den gleichen Regeln wie beim ersten Eintopfen. Ist der alte Topf rundum noch zwei bis drei Zentimeter weiter als die Zwiebel, können Sie ihn wiederverwenden.

Der Topf kommt an einen hellen, warmen Platz. Gießen Sie einmal an und warten Sie dann, bis die Zwiebel austreibt. Erscheint zuerst die flache Spitze des Blütenschafts, hat alles geklappt. Ab hier wiederholt sich der Ablauf der Blütezeit.

Pflegekalender über das Jahr

Die Monatsangaben gelten für eine Blüte um Weihnachten bis Januar. Wer den Blühtermin verschiebt, verschiebt alle Phasen entsprechend.

Der Jahreslauf der Amaryllis bei Blüte um Weihnachten: Wachstum im Sommer, trockene Ruhe im Herbst.
Der Jahreslauf der Amaryllis bei Blüte um Weihnachten: Wachstum im Sommer, trockene Ruhe im Herbst.
PhaseZeitraumStandortGießenDüngen
AntreibenNovemberhell, um 20 Gradeinmal anfeuchten, dann erst ab sichtbarem Schaftnein
BlüteDezember bis Februarhell, gern um 16 Gradwenn die obere Erdschicht trocken istnein
Wachstum drinnenMärz bis Mitte Maihelles FensterErde leicht feucht haltenalle zwei Wochen
Wachstum draußenMitte Mai bis Augusthalbschattig, geschütztgleichmäßig, bei Hitze öfteralle zwei Wochen bis Ende Juli
ÜbergangAugustdraußen, vor kalten Nächten reinMengen schrittweise verringernnein
RuhezeitSeptember bis Oktober/Novemberkühl um 15 Grad, dunkel möglichgar nichtnein

Wachs-Amaryllis: einmal blühen, danach selten erneut

Gewachste Zwiebeln brauchen bis zum Ende der Blüte keinerlei Pflege. Sie stellen sie hell auf, drehen sie gelegentlich zum Licht und gießen nicht. Die Pflanze blüht vollständig aus ihren eingelagerten Reserven.

Ehrlich gesagt endet die Geschichte danach meist. Die Zwiebel hat sich beim Blühen ohne Wasser und ohne Wurzelaufnahme stark verausgabt. In vielen Fällen ist die Wurzelscheibe vor dem Wachsen gekürzt oder mit Wachs versiegelt, und neue Wurzeln bilden sich nur zögerlich.

Ein Versuch kostet trotzdem wenig. Lösen Sie das Wachs nach der Blüte vorsichtig ab, ohne die Zwiebelschalen zu verletzen, und topfen Sie die Zwiebel wie eine normale Amaryllis ein. Danach gilt die übliche Sommerpflege mit Wasser und Dünger. Rechnen Sie aber damit, dass die Zwiebel ein oder mehrere Jahre nur Blätter bildet oder ganz eingeht. Wer zuverlässig jedes Jahr Blüten will, kauft besser eine getopfte oder lose Zwiebel.

Wenn die Amaryllis nur Blätter treibt

Die häufigste Frage zum Ritterstern betrifft das zweite Jahr: Blätter kommen, der Schaft bleibt aus. Fast immer liegt eine der folgenden Ursachen dahinter.

  • Die Blätter wurden nach der Blüte abgeschnitten oder sind im Sommer vertrocknet. Die Zwiebel konnte keine Reserven aufbauen.
  • Es gab keinen Dünger oder einen zu dunklen Sommerplatz. Fühlen Sie die Zwiebel: Ist sie deutlich kleiner als beim Kauf, fehlt die Kraft für einen Schaft.
  • Die Ruhezeit war zu kurz oder zu warm, oder die Pflanze wurde währenddessen gegossen.
  • Der Topf ist viel zu groß. Die Zwiebel bildet dann bevorzugt Wurzeln und Laub.
  • Nach dem Eintopfen wurde gleich kräftig gegossen, und die Blätter haben den Schaft überholt.

Was kaum hilft, ist eine zusätzliche Düngergabe im Herbst oder während des Antreibens. Die Blüte dieses Winters ist zu diesem Zeitpunkt längst angelegt oder eben nicht. Eine geschwächte Zwiebel päppeln Sie nur über einen vollständigen Sommer mit Licht und Dünger auf. Danach folgt erneut eine reguläre Ruhezeit.

Sonderfälle: rote Flecken, weiche Zwiebel, Brutzwiebeln

Rote Flecken an Zwiebel und Blättern

Rötliche, oft strichförmige Flecken an den Zwiebelschalen, an Blättern und Schaft deuten auf den Roten Brenner hin, eine Pilzkrankheit des Rittersterns. Befallene Blätter verkrümmen, und der Schaft kann einknicken. Entfernen Sie befallene Schalen und Blätter und halten Sie die Zwiebel trockener als bisher. Ist die Zwiebel bis in die inneren Schuppen verfärbt, gehört sie in den Hausmüll, nicht auf den Kompost.

Weiche oder faulige Zwiebel

Eine Zwiebel, die sich an der Basis matschig anfühlt oder unangenehm riecht, fault meist durch Staunässe. Sind nur die äußeren Schalen betroffen, schneiden Sie diese ab, lassen die Zwiebel einige Tage trocknen und setzen sie in frische, trockene Erde. Ist der Zwiebelboden mit der Wurzelscheibe weich, lässt sie sich nicht mehr retten.

Brutzwiebeln am Rand

Ältere Zwiebeln bilden seitlich kleine Tochterzwiebeln. Haben diese eigene Wurzeln, können Sie sie beim Umtopfen nach der Ruhezeit abtrennen und einzeln in kleine Töpfe setzen. Bis zur ersten Blüte vergehen in der Regel einige Jahre, weil die Zwiebel erst eine blühfähige Größe erreichen muss. Bleiben die Kindel an der Mutterzwiebel, entsteht mit der Zeit ein Horst mit mehreren Schäften, der allerdings einen größeren Topf braucht.

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